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Ersterwähnung von Ludenhausen aus dem Jahr 804
Foto des Originals der in lateinischer Sprache handgeschriebenen Ersterwähnung von Ludenhausen als "Hludinhusir" in den Freisinger Traditionen vom Jahre 804, Original im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München, Schönfeldstrasse 5, Traditionskodex A, HL Freising 3 a, Folie 168 Traditio Erchanheri et Heriuuini Presbiterorum.De traditione quam fecerunt Erchanheri presbiter et
Heriuuini presbiter. Tradiderunt propriam hereditatem illorum ad sanctam Mariam
seu at sanctam Corbinianum confessorem Christi ad Frigisingas, haec sunt loca
nuncupata Alamuntinga et Hludinhusir. Quicquid ibidem in his duobus locis habere
videbantur totum ex integro tradiderunt atque cum legetimis testibus firmaverunt
ea ratione, eteos liceat utere usque dum vivunt; post obitum vero illorum
firmiter atque sine ulla contradictione ad supradictum locum nomine Frigisingas
permaneat. Quellen:Lateinischer Text aus: Quellen und Erörterungen N.F. IV. Bayerische
Geschichte, Traditionen Freising, S. 192-193
LANDSBERGER GESCHICHTSBLÄTTERILLUSTR: MONATSSCHRIFT UND ORGAN DES "HISTORISCHEN VEREINS FÜR STADT UND BEZIRK LANDSBERG"Begründet von Studienrat u. Stadtarchivar I. I. Schober †, Landsberg.
Beiträge zur Ortsgeschichte LudenhausenVorbemerkung: Im Jahrgang 1929 unserer "Landsberger Geschichtsblätter" brachten wir einen Aufsatz von L. Gernhardt, der sich mit Ludenhausen beschäftigte. Zur Ergänzung und teilweisen Berichtigung möchten wir im Nachstehenden einige Ergebnisse unserer Studien über diese Gemeinde unseren Lesern darbieten.
LageDer Ort liegt an der Straße Landsberg – Weilheim, 16 km von Landsberg, 21km von Weilheim entfernt und ist die höchstgelegene Gemeinde des dermaligen Bezirkes Landsberg mit 737 Meter über der Nordsee. Daher ist das Spitztürmlein der Pfarrkirche auch weithin zu sehen. Bis zu den Höhen bei Finning und bei Grafrath und zum hl. Berg Andechs leuchtet es im Sonnenschein; auch vom hohen Peißenberg aus kann man es beobachten. Die hohe, freie Lage bedingt ein raues, aber gesundes Klima. Die Gemeindeflur ist 2.198 Tagwerk groß.
Erste KundeEine sichere urkundliche Nachricht über unseren Ort bieten uns die Traditionen (urkundliche Aufschreibungen über Gutsübergaben) des Hochstifts Freising. Diese uns interessierende Tradition ist lateinisch abgefasst und lautet in deutscher Übersetzung ungefähr so: "Übergabe der Priester Erchanheri und Heriwini. Von der Übergabe, welche der Priester Erchanheri und der Priester Herwini gemacht haben. Sie übergaben ihr eigenes Erbgut der hl. Maria und dem hl. Bekenner Korbinian zu Frigisingas (Freising), das sind die Orte, welche genannt werden Alamuntinga und Hludinhusir. Alles, was sie in diesen Orten besessen haben, übergaben sie ganz und ungeschmälert und haben es durch rechtsgültige Zeugen bestätigt mit der Maßgabe, dass sie dieselben (d.h. die Güter) gebrauchen dürfen, solange sie leben. Nach ihrem Tode aber soll alles fest und ohne Widerspruch beim obengenannten Orte, Frigisingas genannt, verbleiben. Nachstehende sind die Zeugen: Vor allem Kaganhart, Meginhart, Toato, Nothart, Hrocholf, Ekkihart, Tiso. Des ist geschehen in dem obengenannten Orte Frigisingas in Gegenwart des Herrn Bischofs Atto und des gesamten Klerus, der zu einer öffentlichen Synode versammelt war, am 16. Tag vor den Kalenden des Oktober, in der 11. Indikation, im 4. Regierungsjahre des Herrn Kaisers Karl. Geschrieben habe ich es, Tagobertus, unwürdiger Subdiakon, auf mündlichen Befehl des Bischofs Atto." Diese Traditionsnotiz gibt zu mehrfachen Erwägungen Anlass:
NameDie Freisinger Tradition gibt uns den Namen des Ortes in der ältesten uns überlieferten Form: Hlubinhusir. Daraus hat sich mit einigen Lautabwandlungen das heutige Ludenhausen gebildet. Die mittelalterlichen Schreibweisen, die Gernhart a. a. O. aufführt, bieten fast das gleiche Lautbild wie das heutige schriftdeutsche Wort. Im Volksmund heißt es mit Umlautung der unbetonten Endsilben: Ludahausa. Das Bestimmungswort Hludin=, Luden= geht auf einen altdeutschen Eigennamen zurück, etwa Hludo wie (Chlodewech) oder Hludolf. Wie heute so hat man auch damals die Personennamen beim täglichen Gebrauch abgekürzt. Der Name Ludwig wird z.B. vom Volke gern in die Kurzform "Ludl" umgebildet. Damals hat man aus dem ganzen Namen wohl einen Hludo (Chlodo) gemacht, und dieser Mann, den wir als den ersten Vorsteher oder Bürgermeister dieses Ortes ansprechen können, lebt in dem Ortsnamen Ludenhausen bis heute fort. Denn Hludinhusir heißt wörtlich ins Neudeutsche übertragen: Die Häuser des Ludo.
RömerzeitWenn uns der Name Ludenhausen belehrt, dass der jetzige Ort eine deutsche Siedlung ist, wie steht es dann mit der vielfach verbreiteten Ansicht, Ludenhausen sei schon zur Römerzeit besiedelt gewesen? Die Möglichkeit einer früheren Besiedelung soll nicht bestritten werden. Man nahm es vor 100 Jahren als sicher an und das lässt sich nicht aufrecht erhalten. Man witterte damals in den deutschen Ortsnamen Südbayerns allenthalben römische Sprachüberreste. Von diesem Schicksal blieb auch Ludenhausen nicht verschont. In dem Rheinland und in den Niederlanden fanden sich mehrere römische Altäre, die der "dea Hludana" geweiht waren. Also schloss man siegesgewiss, war auch zu "Hludinhusir" ein Heiligtum dieser Göttin, dessen Existenz uns der Ortsname berichtet. Man hat unterdes gelernt, dass man mit solchen Schlüssen äußerst vorsichtig sein muss. Die allermeisten haben sich als trügerisch erwiesen. Wenn nicht ganz sicher andere Beweise vorliegen, darf man aus solchen Namen allein keinen Schluss ziehen. So auch hier. Aber es ist doch ein echter Römeraltar in Ludenhausen gefunden worden! Auch eine Diokletianmünze Palast des Diokletian war dort einmal im Opfergeld! Das ist richtig. Der Altar diente lange Zeit bis zum Jahre 1834 als Ablauf der Traufe des Kirchendachs. Ein Römerforscher, Major Weishaupt, entdeckte ihn und erwarb ihn für das Antiquarium in Augsburg, wo er noch ist. Er besteht aus Kalkstein und hat folgende Ausmaße: 1,11 x 0,60 x 0,47 Meter. Die Inschrift ist vollständig erhalten und lautet in deutscher Übersetzung:
Der Altar stand also vor einem Merkurtempelchen. Das Beiwort Cimiacinus hat er vermutlich von einem nicht näher bekannten Orte. Die Inschrift gibt genau das Datum der Einweihung an: 29. September 211 nach Christus. Das ist nun alles recht schön. Hat aber der Altar für die Ortsgeschichte von Ludenhausen eine wesentliche Bedeutung? Gibt die Tatsache, dass er 1834 dort gefunden wurde, ein Recht zur Annahme, dass er hier auch errichtet wurde? Dass dabei eine römische Niederlassung bestand, etwa von der Art wie das Anwesen auf dem Büchelefeld bei Unterschondorf? Die Römerstraße Epfach – Castra Urusa zog ja in verdächtiger Nähe vorbei und auch die Diokletianmünze, deren Fundort unbekannt ist, bekundet die Anwesenheit der Römer in Ludenhausens Umgebung. Aber wir dürfen uns den Bedenken gegen eine solche Annahme nicht verschließen. Wenn der Altar verhältnismäßig gut erhalten ist, warum finden sich nicht noch irgendwelche Mauerreste im Boden, die seinen Standort in Ludenhausen sicherstellen könnten? Wo sind die sonst an Römerorten häufigen Mauerreste? Die Antwort ist: All das findet sich in Ludenhausen nicht, weil hier kein Römerbauwerk stand; weil der Altar nicht zu Ludenhausen errichtet wurde, sondern zu Epfach oder in der Nähe davon an der Straße gegen Urusa. Dort war eine römische Niederlassung, die nicht bloß im Namen Epfach (von Abodiacum, Eptaticum) weiterlebt, sondern durch viele Bodenaltertümer beglaubigt ist. Dort würden zweifelsohne noch viel mehr Überreste der Römer sein, wenn nicht vieles verschleppt worden wäre. Wir wissen ja wie es im Mittelalter gemacht wurde: wie in Rom und Athen, so auch hier. Bei besseren antiken Bauwerken, Denkmälern und Altären fanden vielfach Marmor oder anderer Kalkstein Verwendung. Das waren bequeme Orte um Gestein zum Kalbrennen zu gewinnen. Dazu war aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Ludenhauser Römeraltar bestimmt, vielleicht beim Neubau der Kirche. Ein gütiges Geschick bewahrte ihn davor und nun musste er – Jahrhunderte lang wohl – im kühlen Erdboden Frondienste leisten. Verständnislosigkeit hat ihn dazu verdammt, aber gerade diesem Umstand verdankt er seine Erhaltung. Wir wollen den altehrwürdigen Stein unseren Lesern auch im Bilde darbieten, wenn er gleich nicht als Zeuge für die Existenz eines römischen Ludenhausens angerufen werden kann. Ein solches gab es nach dem heutigen Stande der Forschung nicht.
Zur ältesten Ortsgeschichte.Trotz vieler Schwierigkeiten gibt die Erforschung der Orts- und Flurnamen oft überraschende Aufschlüsse. Die Orte auf "=hausen" gehören teilweise mit zu den ältesten. Zum Teil sind sie auch jünger, gehören der sogenannten älteren Rodungsperiode an, d.h. der Zeit, da die vorhandenen Kulturländereien für die angewachsene Einwohnerschaft nicht mehr ausreichten und wo man daher einen Teil der ausgedehnten Wälder rodete und den gerodeten Boden dem Ackerbau zuführte. Nachdem das Bestimmungswort "Hludin=" einen altdeutschen Eigennamen darstellt und nachdem diese Gegend beim Einzug der Deutschen (mögen es nun Allemannen oder Bayern gewesen sein) keine reine Wildnis mehr war, sondern wohl irgendwelche Spuren früherer Kultivierung aufwies, und daher vermutlich bald in Besitz genommen wurde, so gehen wir kaum fehl, wenn wir Ludenhausen der sogenannten "älteren Ausbauperiode" zuteilen. Das Wort "hausen" ist Zeuge für die gewaltigen Veränderungen in den Lebensgewohnheiten unserer Urahnen nach dem Einzug, in unsere Gegend und der Besitzergreifung fester Wohnstätten. Caesar berichtet bekanntlich genau, dass die Deutschen seinerzeit von Jahr zu Jahr den Platz ihrer Siedlung wechselten. Nach der Völkerwanderung wurden sie aber sesshaft. Benannte man anfangs die einzelnen Siedlungsgruppen noch nach ihren Sippennamen, was bei der steten Wanderung das einzig Mögliche war und was wir in der Ludenhauser Nachbarschaft bei Issing, Thaining und Reichling finden, so kam bei der Benennung der einzelnen Ansiedlung nach der Sesshaftmachung auch die Lage, die Art und der Zweck der Siedlung und noch manch anderes in Frage. "Der Beginn dieser Ortsnamenschicht ist unmittelbar an den Zeitpunkt anzuschließen, der für die betreffende Gegend und den in ihr sich ansiedelnden Stamm den Schluss der Wanderzeit bedeutet." Wir dürfen also Ludenhausen als sehr alten Ort bezeichnen, nur wenig jünger als die genannten =ing-Orte. Für unsere Gegend dürfte die Entstehungszeit der =hausen etwa um 500 – 525 nach Chr. liegen.
Kirchliche Verhältnisse zur Karolingerzeit.Nun müssen wir wieder auf unsere Freisinger Urkunde zurückkommen. 1. Die Person der Schenker. Es werden zwei Priester aufgeführt, die zugleich ihren Besitz in zwei ziemlich von einander entlegenen Orten schenken, nämlich in Hludinhusir, d.i. Ludenhausen und in Alamuntingas, d.i. Oberalting, Bezirk Starnberg. Wenn die beiden ihr Erbgut gemeinschaftlich schenken, dann müssen sie ein und derselben Familie angehören. Das bestätigt eine spätere Freisinger Tradition, in welcher Heriwini ausdrücklich Neffe Erchanheris genannt wird. Welcher Familie sie angehörten, lässt sich wohl nicht mehr feststellen. Es muss eine wohlhabende und angesehene, wohl adelige Familie gewesen sein. Denn Erchanheri hat auch an anderen Orten Grundbesitz, so in Etterschlag und Dorfen bei Wolfratshausen. Dass es sich um einen angesehenen Mann handelt, zeigt eine Tradition, in welcher Isanhart seine Güter zu Etterschlag als Seelgerät an Erchanheri übergibt und eine weitere Tradition, in der Kysalheri und Irminheri ihren Besitz zu Alamundingas dem Erchanheri zur Übergabe an Freising verkaufen. Erchanheri war zugleich Besitzer oder Grundherr der Kirche zu Oberalting und ihr Pfarrer. Ob Heriwini bloß Grundherr zu Ludenhausen war oder aber auch Pfarrer, lässt sich aus den Urkunden nicht mit Sicherheit schließen. Man kann letzteres aber wohl vermuten. Nach dem Tode Erchanheris, der nach dem Jahre 810 erfolgt sein muss, erhielt er den Grundbesitz und die Seelsorge zu Oberalting. 2. Zeit der Schenkung. Die Tradition ist genau datiert, allerdings nicht in der uns geläufigen Art. Das vierte Jahr von Karls des Großen Kaisertums ist 804 unserer Zeitrechnung; denn 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. 3. Gegenstand der Schenkung. Aus der obigen Urkunde geht weiter nichts hervor, als dass die beiden Priester Ihren Besitz zu Hludinhusir und Alamuntingas der Freisinger Kirche schenkten. Sie ist ganz allgemein gehalten, so dass nicht im Mindesten ersichtlich ist, welcher Art die Güter waren. Aber es ist von Erchanheri aus dem Jahre 810 noch eine weitere Tradition vorhanden, in welcher die Übergabe von Alamuntingas wiederholt und dazu die Übergabe seines Besitzes in "Dorf" gefügt ist. Diese Urkunde ist ausführlicher als jene von 804. Erchanheri legt da nicht bloß fest, dass sein Neffe Heriwini sein Nachfolger zu Alamuntingas werden solle, sondern er spezifiziert auch den Besitz, und nun sehen wir, dass sowohl zu Alamuntingas als zu Dorf vor allem die Kirchen samt Zubehör zu seinem Familienbesitz (in hereditate mea) gehörten. Von der Kirche in Dorf stellt er ausdrücklich fest, dass sie von seiner Familie erbaut wurde. Diese Kirchen waren also Eigenkirchen, d.h. sie waren Eigentum eines Privatbesitzers oder einer Familie. Ludenhausen ist in der Tradition von 810 nicht mehr erwähnt. Das ist auffallend. Doch lässt es sich erklären. Der Grund ist wohl darin zu suchen, dass der Ludenhauser Besitz nach dem Tode Heriwinis ohne weiteres an den bischöflichen Stuhl von Freising übergehen sollte, während Alamuntingas und Dorf nach Erchanheris Tod an Heriwini kommen und erst nach dessen Abscheiden Freising zugehören sollten. Es erhebt sich nun die Frage: Dürfen wir annehmen, dass auch in Ludenhausen der Hauptgegenstand der Schenkung nicht bloß irgend welche liegenden Güter sondern vor allem die Kirche samt Zubehör waren? Ich glaube diese Frage bejahen zu dürfen; denn der Donator war Priester und ist ohne Kirche unter den gegebenen Verhältnissen nicht wohl denkbar. Außerdem finden wir die Kirche Ludenhausen im 14. Jahrhundert im Besitz der Zisterzienserabtei Raitenhaslach an der Salzach (gegründet 1143 – 1146). Wann und wie sie dahin kam, konnte ich bisher nicht feststellen. Aber das ist wohl nur so erklärlich, wenn wir annehmen, dass das Hochstift Freising die ungünstig in einem fremden Bistum gelegene Pfarrei gegen eine vorteilhafter situierte vertauschte. Wenn der Tausch auch nicht urkundlich festliegt, so muss er doch irgendwie mit oder ohne Zwischenglieder vor sich gegangen sein. Anders lässt sich der Raitenhaslacher Besitz an Ludenhausen schwer erklären. Um das Jahr 1265 ließ sich Raitenhaslach von Papst Urban IV. alle Rechte und Besitztitel bestätigen. Ludenhausen ist darunter nicht aufgezählt. Wir können daher vermuten, dass es damals noch einen anderen Besitzer hatte. Merkwürdig kommt uns im 20. Jahrhundert auch vor, dass diese Priester ihre Kirche einem Bischof schenken und dazu noch einem Bischof einer anderen Diözese. Es erklärt sich aber leicht, wenn man sich daran erinnert, dass damals viele sogenannte Eigenkirchen vorhanden waren und immer noch gebaut wurden. Gerade die Kirchen in vielen kleinen Orten zählten dazu. Der Grundherr beanspruchte nicht bloß die volle Verfügung über Gebäude und Vermögen der Kirche, sondern auch die öffentlich-rechtliche Ein- und Absetzung der Geistlichen. Dieses Eigenkirchensystem wurde begreiflicherweise zu Rom nicht gern gesehen, ja Papst Zacharias suchte zu verhindern, dass in ihnen vollständiger Gottesdienst wie in öffentlichen Kirchen abgehalten werde. "Aber die Durchführung dieser Anordnung", schreibt der Kirchenhistoriker Hauck, war unmöglich. Denn nicht nur widersprach sie dem, was im Fränkischen Reiche Rechtens war; sondern besonders beruhte die immer noch sehr notwendige Vermehrung der Gotteshäuser vornehmlich auf der Zunahme der Eigenkirchen. Sie zu hemmen konnte also Karl gar nicht in den Sinn kommen. Allein die Rechtsbildung in Bezug auf die Eigenkirchen war unvollkommen: Es war ein Widerspruch, dass sie als Taufkirche einer Gemeinde diente und dass der Grundherr doch das Recht hatte, in jedem Augenblick sie als sein Eigentum abbrechen oder schließen zu lassen. Diesen Punkt hat Karl geregelt. Er schränkte die Freiheit, Kirchen zu erbauen, nicht ein, er beseitigte auch nicht das Eigentum der Grundherren. Nach wie vor wurden die Kirchen vererbt und konnten sie verkauft oder verschenkt werden. Nur insofern wurde die freie Verfügung des Eigentümers über seinen Besitz beschränkt, als es ihm nicht zustand, die einmal gegründete Kirche wieder zu zerstören; sie musste erhalten bleiben." Das traf auch auf die Kirchen von Oberalting und Ludenhausen zu: sie waren Eigenkirchen im Besitz von Priestern aus der grundherrlichen Familie. Dass die beiden Priester ihren Besitz nicht dem Diözesanbischof übergaben sondern dem Freisinger, bedarf einer Erklärung. Sie kann sich aber nur auf Vermutungen stützen. Vielleicht war man sich wenigstens bei Oberalting über die Diözesangrenzen nicht ganz klar. Wahrscheinlicher ist, dass Erchanheri und Heriwini dem Freisinger Bistum entstammten. Wenn mit "Dorf" in der Tradition von 810 das heutige Dorfen in der Pfarrei Wolfratshausen gemeint ist, wie oben schon angedeutet ist, dann hatten die beiden jedenfalls Grundbesitz im Freisinger Sprengel. Möglicherweise spielten auch politische Gründe bei dieser Vergabung mit, da Kaiser Karl dem Bischof Otto von Freising sehr gewogen war. Die Ergebnisse unserer kurzen Betrachtung über die merkwürdige Traditionsnotiz von 804 lassen sich für Ludenhausen etwa so zusammenfassen:
Kirche. War auch schon zu Karls des Großen Zeit eine Kirche da, so wissen wir doch recht wenig über ihre Baugeschichte. Nach einem zu Augsburg liegenden Bericht aus dem 18. Jahrhundert befand sich hinter dem Hochaltar die Jahrzahl 1294. Wurde sie richtig gelesen, dann würde sie wohl ein Baujahr bedeuten. Man könnte annehmen, dass damals die erste Steinkirche zu Ludenhausen an Stelle der bisher hölzernen errichtet wurde. Dieses mittelalterliche Gebäude blieb dann wohl bis zum 19. Jahrhundert stehen. Als einziger Überrest aus dem mittelalterlichen Gotteshaus ist noch der Taufstein vorhanden, ein halbkugeliger, schmuckloser, innen ausgehöhlter Stein, der auf einem niedrigen Säulenstumpf ruht. Er kann noch aus der romanischen Stilperiode stammen. Da führte das Anwachsen der Gemeinde im Verein mit einem Naturereignis zu baulichen Veränderungen, die in der Folge fast einem Neubau gleichkamen. Im Mai 1815 schlug ein mächtiger Blitz in den Kirchturm, zerfetzte die Kuppel, dass sie schief oben hing, zersprengte auch das Mauerwerk und eine Glocke und richtete im Innern der Kirche viel Unheil an (Herabschleuderung der Heiligenstatuen, Zertrümmerung des nördlichen Seitenaltars, der Fenster, der Kirchenstühle, eines Paramentenkastens im Chörle), ohne aber zu zünden. 1816 wurde der ganz abgetragene Turm neu errichtet. Die Ausführung hatten Maurermeister Köppl und Zimmermeister Fischer von Landsberg. Damals erhielt der Turm sein Spitzhütl. 1842 wurde die Kirche bis auf den Chor und den Turm abgebrochen und neu aufgeführt. Sie erhielt im Innern zwei Säulen, ist aber trotzdem baulich unbedeutend und nüchtern ausgefallen. Die Baukosten beliefen sich auf 9 300 fl. (Gulden) 1874 kam ein Umbau mit Herausnahme der Säulen. Die Kosten beliefen sich auf 3 652 fl., wovon 2 166 fl. aus dem Ergebnis einer Landeskirchensammlung, 1 000 fl aus Konkurrenzbeträgen vermöglicher Kirchenstiftungen bezahlt werden konnten; der Rest von 1 486 fl. wurde in der Gemeinde aufgebracht. Nach dem Neubau von 1842 wurde die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kircheneinrichtung nicht mehr aufgestellt; sie kam zum Teil in die Pöringer Schlosskapelle. Die neuen Altäre in geschmacklosen und nüchternen Formen der damals üblichen Schreinergotik wurden von J. N. Off von Weilheim und Benedikt Mangold von Peißenberg um 1 130 fl. erstellt. Damals kam auch eine Orgel um 375 fl. zur Aufstellung. Vielleicht die erste in dieser Kirche; denn 1775 war noch keine vorhanden. 1893 wurde an Stelle des bisherigen, wie ein Provisorium anmutenden Hochaltars von 1842 ein neuer, aus Stilelementen des 16. und 17. Jahrhunderts zusammengesetzter, durch L. Steiner in Fürstenfeldbruck aufgebaut. Ist er auch nicht allwegs befriedigend, so bildet er doch, besonders seit seiner letzten Umgestaltung und Einfügung eines neuen Altarblattes von Oswald Völkl – Gräfelfing eine würdige Zierde des Gotteshauses.1893 beliefen sich die Kosten auf 3 800 Mark. Mit der Umänderung des Hochaltars war auch eine Gesamtrestaurierung bzw. Ausschmückung der Kirche im Jahre 1917 verbunden, zu der außer dem genannten Völkl auch L. Heim in Augsburg herangezogen wurde. Neben verschiedenem Dekor wurde die Decke mit Bildern des Letzten Abendmahls und der Geistsendung ausgestattet, die zwei Nebenaltäre wurden neu aufgestellt, harren aber noch des plastischen Schmuckes in den Seitennischen. Man mag sich zu den Neuerungen stellen wie man will, jedenfalls wurde das vordem sehr unfreundlich und kalt wirkende Kircheninnere anheimelnd. An kirchlicher Kleinkunst ist nicht viel Erwähnenswerte vorhanden. Der kupfervergoldete Kreuzpartikel aus dem 17. Jahrhundert ist ganz hübsch, ebenso die silberne Monstranz, wohl in Augsburg zu Beginn des 18. Jahrhunderts gefertigt. Neben dem Beschauzeichen dieser Stadt ist das Meisterzeichen F.A.B. eingeschlagen. An gottesdienstlichen Besonderheiten sind die wie Festtage abgehaltenen drei "Hagelfeiern" zu erwähnen, die am 2. Januar, am Montag nach dem Weißen Sonntag und am Tag nach Christi Himmelfahrt begangen wurden, damit "die Hochgewitter gnädig abgehen sollen". Zur Pestzeit wurde gelobt, den St. Rochustag (16. August) als Gemeindefeiertag zu begehen. Neben den gewöhnlichen Bittprozessionen fanden jährlich noch zwei "schwere Kreuzgänge" statt nach Andechs und Hohenpeißenberg. Pfarrei. Dass Ludenhausen schon zur Zeit Karls des Großen einen Geistlichen hatte, sehen wir oben. Kultstätte und Seelsorgeposten gehen aber noch weiter zurück. Wenigstens deuten einige Spuren auf sehr hohes Alter. Da ist zunächst das St. Peterspatrozinium. Oft mussten die alten Heidengötter Wotan und Donar dem Apostelfürsten weichen. Freilich darf man bei solchen Ausblicken in die vorchristliche Zeit und in die Urzeit des Christentums in unseren Landstrichen nicht voreilig sein. Dorn hat gewiss recht, wenn er davor warnt, "hinter einer jeden Peters-, und Michaels- oder Stephanuskirche eine alte heidnische Kultstätte zu suchen." Allein hier in Ludenhausen führt noch eine Spur in jene älteste Zeit zurück. Nach einer Aufschreibung im Ludenhausener Pfarrarchiv war noch bis etwa 1840 im Volk die Überlieferung verbreitet, dass Ludenhausen die älteste Kirche der Gegend habe. Diese Volkstradition passt gut zum S. Peterspatrozinium, da dieses mit Vorliebe in der ersten Christianisierungszeit gewählt wurde. Noch eine andere Sage war im Volksmund: Es seien vor Zeiten Leichen weither, bis aus Tirol, zur Beerdigung nach Ludenhausen gebracht worden. Es lässt sich wohl nicht feststellen, was der geschichtliche Kern dieser Tradition ist. Aber dass sie eine Andeutung des hohen Alters der Ludenhausener Kultstätte enthält, scheint mir sehr wahrscheinlich zu sein. Da also mehrere Fährten zugleich in die Anfänge des Christentums hinaufführen, so können wir nicht ohne Grund Ludenhausen als eine der ältesten Pfarreien des Lechrains bezeichnen. Vom Eigentums- und Patronatsrechte vernahmen wir schon oben, dass es vom bischöflichen Stuhl Freising an das Stift Raitenhaslach und von diesem an das Domkapitel Augsburg überging. Durch die Säkularisation erhielt Anfang des 19. Jahrhunderts der König von Bayern das Patronatsrecht, infolge des Konkordats von 1924 (Art. 14) wird die Pfarrei nunmehr von Bischof frei verliehen. Das Einkommen des Pfarrers bestand in alter Zeit vornehmlich aus Groß- und Kleinzehent und aus dem Widdumserträgnis, das auf einen Viertelhof geschätzt wurde. 1879 wurde mit Regierungsgenehmigung der größte Teil des Widdums mit 79,91 Tagw. um 11 476 Mark veräußert; heute ist es nur noch 14,27 Tagw. groß. Der Pfarrhof wird bis zum 18. Jahrhundert ein Holzgebäude gewesen sein, 1693 hat Pfarrer Winterholler Stadel, Tenne, Stallung und Backofen neu erbaut. Der Dekan begutachtete ein Darlehen hiezu mit den Worten: "Das Pfärrlein ist so gering, dass er (der Pfarrer) kaum das Maul hindurchbringen könnte." Winterholler hat aber auch noch das Wohngebäude neu aufgeführt und zwar 1705/06 um 1 092 fl. Doch fehlte noch Verschiedenes, was im Laufe der Jahre ergänzt worden sein wird. Dieser Pfarrhof brannte samt den 1876 neu erbauten Ökonomiegebäuden am 19. Januar 1878 ab. 1883 – 86 wurde nach Überwindung der bei solchen Anlässen meist vorhandenen Schwierigkeiten und Hindernissen ein neuer Pfarrhof nach den Plänen des Distriktsingenieuers Kirchner in Landsberg durch Maurermeister Gg. Gabler in Pähl errichtet.
Reihenfolge der Pfarrer(Die Zeit der Amtstätigkeit geben wir in einfachen Jahrzahlen an. Wo diese nicht feststeht, werden die Jahre des aktenmäßigen Vorkommens in Klammern aufgeführt.) (804) Heriwini (?). Siehe oben. (1370) Perchtold der Gömetz; jedenfalls identisch mit dem 1373 – 1396 in Landsberger Urkunden genannten Priester Perchtold aus der Landsberger Bürgerfamilie Gömetz. (1528 – 1549) Leonhard Augustin, vorher Pfarrer in Dettenschwang. Seinem Andenken wird der Stein gewidmet sein, der sich im Westteil der Kirche am Boden befindet und der größtenteils vom Kirchengestühl verdeckt wird. Seinem Stil nach stammt er aus dem 16. Jahrhundert. Soweit die Schrift lesbar ist, stimmt damit auch die Inschrift ein: ... BIGR ... DER ERBIRD. HER LIENHAR... (ple) B IN LVDEN... 1569 (?) – 1617 Valentin RESCH. War vom vortridentinischen Schlage. Seine Landwirtschaft mit 2 Rossen, 11 Stück Rindvieh, 10 Gänsen, 5 Hühnern und Getreide auf den Äckern im Wert von 240 fl. scheint ordentlich im Stande gewesen zu sein. Seine Bücher werden in der Verlassenschaft als "gar schlechte und gar alte Kardetschen" bezeichnet. 1618 – 1624 (?) Balthasar Ludwig von Bayerstadl. Gestorben 1633 als freiresignierter Pfarrer. Als Pension erhielt er von seinem Nachfolger den Gimmenhauser Zehent. 1624 (?) – 1628 Kaspar Wiedemann. Starb an der Pest. 1628 – 1637 Johann Weichenberger. Begann die erste vorhandene Matrikel. Unter ihm grassierte 1628 und 1634 die Pest. Im ersteren Jahre starben zu Ludenhausen 81 Personen, davon 10 aus anderen Gemeinden, im letzteren 53. Bei einem Seelenstand von nicht ganz 200 ist die Zahl der Todesfälle unheimlich hoch. Pfarrer Weichenberger wurde auch von der Krankheit ergriffen, erholte sich jedoch wieder. 1637 – 1644 scheint der Pfarrer von Apfeldorf, Mag. Christoph Bernard, nebenamtlich die Pfarrei Ludenhausen versehen zu haben. 1644 – 1645 Martin Michael. 1645 – 1651 scheint die Pfarrei excurrendo durch den Bernrieder Chorherrn Christoph Hörmann versehen worden zu sein, der 1623 – 1654 Pfarrer in Reichling war. 1651 – 1654 Philipp Westenrieder von Berg. 1623 – 1644 Pfarrer in Huglfing, 1644 – 51 in Apfeldorf. Gestorben 30. Mai 1654, 63 Jahre alt, in der Kirche vor dem Hochaltar begraben. 1654 – 1656 David Wagner, Pfarrer in Apfeldorf, versieht die Pfarrei nebenamtlich. 1656 – 1661 Peter Lechle, Pfarrer von Apfeldorf, versieht die Pfarrei nebenamtlich. 1661 – 1665 In Christoph Minsinger aus Raisting erhielt Ludenhausen wieder seinen eigenen Pfarrer. Mit 29 Jahren starb er schon und wurde bei seinen Vorgängern begraben. 1665 – 1691 Johann Schilcher aus Apfeldorf, vorher Pfarrer in Saxenried, ein exemplarisch frommer Priester, trat 1691 zu Andechs in den Benediktinerorden. 1691 – 1735 Lorenz Winterholler von Ludenhausen, Vetter des vorigen. 1691 – 92 ist er eigentlich Vikar und erst nach abgelegter Ordensprofeß Schilchers wird er präsentiert. War vorher Pfarrer in Aichstetten. Hat nicht bloß die Pfarrgebäude neu errichtet, sondern auch die Kirche instandgesetzt. Wird deshalb auf dem im Chor vor dem Hochaltar befindlichen Grabstein "magnus ecclesiae benefactor", großer Wohltäter der Kirche, genannt. 1735 resignierte er und starb an Schlagfluß 1736 zu Unterigling im 77. Lebensjahr. 1735 – 1737 Anton Hoy aus Peißenberg, Neffe und mehrjähriger Cooperator des vorigen. Gest. 1737. 1737 – 1756 Joseph Anton Walter von Burgau, iur. u. Cand. Vorher Pfarrer in Oberdießen, kommt als Frühmessbenefiziat nach Türkheim. Hatte Dissidien mit dem Kloster Wessobrunn und stand im Geruche mangelnder Rechtgläubigkeit, so dass ein Zeuge in den genannten Streitigkeiten folgenden Spottvers als gang und gäbe deponierte: "Ludenhausen gnadenreich, wie sieht`s dem Luthertum so gleich, wohl in der Predigt, in der Lehr, als wann`s der Luther selbsten wär." In Wirklichkeit wird Walter gerade so rechtgläubig gewesen sein, wie die Wessobrunner Herren, denen er Unstimmigkeiten nachweisen zu können glaubte. 1756 – 1767 Johann Georg Schorer von Nassenbeuren, vorher Kaplan in Angelberg. Gestorben 6. März 1767. 1767 – 1775 Mag. Johann Bapt. Simnacher. Gestorben 10. Februar 1775 und im Chore begraben. Grabplatte noch vorhanden. 1775 – 1809 Sebastian Erhart von Andechs oder Erling (in pago Andecensi vulgo Heiligenberg). Er war der letzte vom Domkapitel Präsentierte, der erste, der auf dem Friedhof bei der südlichen Kirchentür begraben wurde. 1809 –1818 Kaspar Bader von Mittenwald, geboren 2. Januar 1773, ordin. 1796, wirkte in Bruckberg, Aubing und Aufkirchen bei Erding. Kam auf die Pfarrei Grafing bei Ebersberg. 1819 – 1824 Martin Klostermaier, nachdem zwei andere Herren auf die Ernennung verzichtet hatten. Vorher Cooperator in Oberdorfen; kommt nach Vilslern. Vikar: Expositus Korbin. Kröll in Issing. Wiederum lehnen zwei Herren ab. 1825 –1829 Daniel Gusetti, aus dem Bistum Gurk stammend. Von 1810 ab hatte er Anstellungen im Salzburger Gebiet, im Inn- und Hausruckviertel. 1816 wäre er nach Abtrennung dieser Gebiete an Österreich zum Bistum Linz gekommen, aber er wollte in Bayern bleiben und wurde provisorisch in das Bistum Freising aufgenommen. 1822 – 24 war er sog. Inkuratkanonikatsprovisor in Tittmoning. Aus Gesundheitsrücksichten legte er die Pfarrei Ludenhausen wieder nieder und zog nach Landsberg. 1829 – 1833 Alois Schuhmann, vorher Cooperator in Reisbach; kommt nach Dezenacker. 1833 – 1842 Christian Braun, Pfarrvikar in Lamerdingen; kommt als Pfarrer nach Stoffen. Vikar: Ulr. Thoma, vorher in Stoffen. 1842 – 1846 Expositus Ludwig Gebler in Kochel lehnte wegen Krankheit ab. Johann Paul Lechner, vorher Kaplan in Dießen. Kommt als Pfarrer nach Schmiechen. Vikar: Kuratievikar Jos. Schöpf in Issing (nebenamtlich). 1846 – 1850 Adalbert Schallhammer, zuvor Pfarrvikar in Friesenried. Kommt nach Unterbergen als Benefiziat. 1850 – 1862 Alois Escher, gebürtig von Bastelmühl bei Rain; Priester 1840, Stadtkaplan in Landsberg, Seminarpräfekt in Lauingen. Von 1862 bis 1887 Pfarrer in Eberfing, wo er starb. Dort vermachte er dem Armenfond zur Unterstützung von Schulkindern und armen Abbrandlern einen 34 Tagwerk großen Wald. Vikar: Joh. Bapt. Held (hauptamtlich). 1863 – 1870 Martin Schuster, vorher Kaplan in Lindenberg; starb schnell und unerwartet. Vikar: Karl Müller (hauptamtlich). 1871 – 1875 Josef Seitz, vorher Kaplan in Hinterstein; kommt als Pfarrer nach Forst. Vikar: Pfarrer Joh. Baier von Reichling (nebenamtlich). 1875 – 1878 Joh. Ev. Weber, vorher Expositus in Marnbach. geboren 1835 zu Habach; ordin. 1859. Entfernt sich nach dem Pfarrhofbrand und wird Pfarrer in Aresing. Vikare: Franz Biber, Pfarrer in Rott (nebenamtlich); es wird ihm zur Aushilfe der bisherige Benefiziat von Denklingen, Anton Dambacher, beigegeben.
1898 – 1905 Georg Sanktjohanser, schon seit zwei Jahren Verweser. Er war gebürtig von Mundraching, ordin. 1892, wirkte in Kochel, Großkissendorf, und Spatzenhausen. 1905 kam er in letztere Gemeinde als Pfarrer und starb dort 1912. Vikar: Pfarrer Anton Kracker von Rott (nebenamtlich). 1905 – 1914 Joh. Bapt. Sonntag von Christertshofen. Vorher Kaplan in Pähl; kommt als Pfarrer nach Zaisertshofen. Vikar: wie 1905. 1914 Ernst Streit, von Mindelzell, geb. 1883, ordin. 1908. Vorher in Hohenwart und Starnberg. Damit beschließen wir unsere Ausführungen über Ludenhausen, wenngleich noch manches Interessante in unserer Mappe liegt. K. E.
Ein Denkmalim Amtsbezirke Landsberg aus der Zeit der Römerherrschaft, aufgefunden zu Ludenhausen. Der Amtsbezirk Landsberg ist sehr reich an Denkmälern und Erinnerungen aus dem Altertum bis in die graueste Vorzeit zurück, insbesondere ist die Zeit der Römerherrschaft dokumentiert. So finden sich Spuren römischer Strassen, Lager und Schanzen, Münzen verschiedener Kaiser und wohl auch Reste römischer Gebäude. Aber das weitaus wichtigste Denkmal ist ganz sicher das zu Ludenhausen aufgefundene. Würde man aber jetzt daselbst nach einem römischen Denkmal fragen, wüsste wohl kaum jemand Bescheid zu geben. Es dürfte daher Anlass sein, dasselbe in Erinnerung zu bringen. Im Jahre 1834 fand der damalige kgl. Artillerie-Major Weishaupt auf einer Wanderung zur Erforschung von Altertümern in Ludenhausen ein steinernes Denkmal, welches als Traufstein für das vom Kirchendache abfließende Wasser diente. Derselbe kaufte dieses Denkmal und machte dasselbe dem Antiquarium in Augsburg zum Geschenke, wo es sich noch befindet. Dieses Denkmal ist ein Altar mit einer Vorrichtung zum Weihrauchopfer (ara turaria), der für den Cimiacinischen Merkur von Markus Paternius Vitalis, in einer von ihm erbauten Kapelle, nach einem Gelübde samt der Bildsäule des Gottes errichtet wurde. Die Errichtung geschah unter dem Consulate des Gentianus und Bassus am 29. September im Jahre 211 nach Christi Geburt, also vor 1666 Jahren. Das Denkmal ist von grobkörnigem, weißen Marmor, hat eine Höhe von 4`2`` , eine Breite von 1`8``, eine Tiefe von 1`6`` (Anm. = 1,11 x 0,60 x 0,47 Meter) und ist sehr schön gearbeitet. Dasselbe trägt folgende Inschrift:
Zu deutsch: Dem Cimiacinischen Merkur hat Markus Paternius Vitalis diesen Weihrauchaltar gesetzt, der auch die Kapelle baute und die Bildsäule aufstellte; freudig und gern verdientermaßen sein Gelübde lösend, vollzog er die Weihung am 3. der Kalender des Oktober und dem Consulate der Gratianus und Bassus. (=29. Sept. 211 n. Chr. G .) Das dem Merkur gegebene Beiwort Cimiacinus ist bis jetzt nicht erklärt ; wahrscheinlich stammt dasselbe von einem bis jetzt unbekannten Ort, wo Merkur besonders verehrt wurde. (cf. Die römischen inschriftlichen Denkmäler Oberbayerns von Professor von Hefner im oberbb. Archiv Bd. III S. 372). Dass der unbekannte Ort Cimiax aber das heutige Ludenhausen nicht wahr, ist wohl aus verschiedenen Gründen ganz sicher anzunehmen und zwar insbesondere deshalb, weil die Römer auf ihren Denkmälern nie den Ort angaben, wo sie dasselbe errichteten. Es ist aber wohl unzweifelhaft, dass der Fundort auch der Standort des Denkmals, nämlich des Votivaltars, sowie der Kapelle mit der Statue des Merkur war. Da, wo jetzt Ludenhausen steht, war ein bewohnter Ort, wo sich Römer aufhielten. Und ganz sicher bestanden damals auch in der Nachbarschaft Ortschaften, da man von dem Ort, wo jetzt Ludenhausen steht, doch nicht annehmen kann, dass derselbe damals die einzige Ansiedlung in der ganzen Gegend gewesen sei. Es ist geschichtlich, dass die Römer bei ihrem Eindringen in das Land die Likater, die Anwohner des Leches niederwarfen und sich zu Herren des Landes machten. Während der über 400 Jahre dauernden Herrschaft derselben, nämlich vom Jahre 15 vor Chr. G. bis ungefähr zum Jahre 420 unserer Zeitrechnung errichteten dieselben viele Denkmäler. So seien beispielsweise aus der Zeit der Errichtung unseres Denkmals erwähnt die Denkmäler zu Eining bei Weltenburg vom gleichen Jahre, zu Valley von 202, zu Attl von 204, zu Seon von 219, zu Stöttham bei Traunstein von 226, zu Rabenden von 229 und zu Chieming am Chiemsee von 237 nach Christi Geburt. Unser Denkmal in Ludenhausen ist sehr merkwürdig und gibt einen wichtigen Aufschluß. Dasselbe ist infolge eines Gelübdes wahrscheinlich aus Anlass irgend eines Handelsunternehmens dem Merkur errichtet worden. Dieser ist nämlich der Gott des Handels und Straßenbeschützer. Es führte daher eine römische Verkehrsstraße entweder durch Ludenhausen oder in dessen Nähe vorbei, wenn nicht eine Hauptstraße, jedenfalls eine Nebenstraße, wie ja den meisten Flüssen entlang Straßen führten so auch sicher hier am Lech. Als völlig gewiss ist anzunehmen, dass sich im benachbarten, an römischen Altertümern so reichen Epfach Römerstraßen kreuzten. In der Nähe von Reichling wurden in Grabhügeln Funde gemacht, welche die Anwesenheit der Römer bestätigen. Ludenhausen selbst kommt bereits im achten Jahrhundert als "Hludinhusis" urkundlich vor. Möchten vorstehende Zeilen zu Nachforschungen nach römischen Altertümern veranlassen. M. F. X. (geschrieben 1877)
Bevölkerungsentwicklung
Chronik von Burkhard Stämmele
Die Riedlbande –eine Räuberbande um das Jahr 1832 am mittleren LechVon Georg Stechele Thaining Der
hier abgedruckte Aufsatz über die Riedlbande ist ein Auszug aus der in zwölf
handgeschriebenen Bänden niedergelegten Thaininger Ortschronik von Georg
Stechele. Georg Stecheles Hauptinteresse gilt seit seiner Jugend der
Vergangenheit seines Heimatdorfes. So kam im Laufe vieler Jahre diese sicher
nicht nur im Landkreis Landsberg einmalige Ortschronik zustande, die er in
seiner knappen Freizeit – er ist vom Beruf Landwirt – zusammengetragen hat.
Das Ziel seiner oft mühevollen Arbeit war und ist, für die Zukunft eine
möglichst umfassende Darstellung der Leistungen, der Ereignisse und der
Lebensumstände vergangener Zeiten in Thaining zu erstellen. Deshalb habe er
nicht nur die Chronik geschrieben, sondern auch bäuerliche Geräte gesammelt,
die er auf dem Dachboden seines Hofes aufgestellt hat. Sie geben dem Besucher
dieses privaten Museums eine anschaulichen Eindruck von der Bauernarbeit aus der
Zeit vor der Mechanisierung. Der Hof den Georg Stechele bewirtschaftet, trägt
den Hausnamen " beim Bona". Der "Bonadami", Damian Egwolf,
das gefährlichste Mitglied der Riedlbande, stammt aus dem gleichnamigen Haus.
Das war wohl auch der Grund dafür, daß der Vater von Georg Stechele viel über
die Riedlbande zu erzählen wusste. Das Beispiel zeigt, wie das Interesse an der
Heimatgeschichte nicht selten durch solche direkten Verbindungen geweckt wird.
Die Erzählungen des Vaters wurden später durch Nachforschungen ergänzt –
bei Leoprechting fand sich einiges, die Lebensdaten der Beteiligten wurden aus
Kirchenbüchern herausgesucht, ein Manuskript des früheren Bürgermeisters
Walser von Apfeldorf, konnte verwendet werden, Kreisheimatpfleger Neu half mit
archivalischen Belegen, alte Thaininger wussten noch manche Einzelheiten – so
entstand schließlich der vorliegende Bericht über die Riedlbande. Er wurde
stilistisch bewusst nicht überarbeitet; nicht nur der Inhalt, auch die
Erzählweise verdient Beachtung. Sitzt man abends nach getaner Arbeit beisammen, so hört und sieht man das Tagesgeschehen am Radio oder im Fernsehen oder man verfolgt das Neueste aus der Zeitung, auch manchmal ist man bei einer gemütliche Runde am Biertisch beisammen und unterhält sich über dies und jenes. Man spricht über die heutige Wirtschaftslage und deren Preisentwicklung, stellt die früheren Verhältnisse gegenüber, kommt ins Gespräch von den vergangenen alten Zeiten, als es noch ruhiger herging und nicht wie heute, Einbruch, Diebstahl, Mord und Totschlag, Bankraub und sonstiges noch viel mehr, auf der Tagesordnung stand. Wohl gäbe die heutige Zeit keinen Anlass zu all diesen Verbrechen, da doch fast jeder im Wohlstand lebt. In der Zeit die weit hinter uns liegt ging es vielen schlecht, kein Verdienst, Arbeitslosigkeit und zudem hatte so mancher Familienvater eine Vielzahl von Kindern zu ernähren. Fragt sich so mancher, gab es immer schon solche Verbrechen, so muss dies mit ja beantwortet werden, aber nicht in dieser Vielzahl und Brutalität, wie sie heute vorkommen. Schon bei geringstem Vergehen drohten dem Verbrecher hohe Strafen. So wurde 1740 Johann Brantmeyr von Thaining wegen Diebstahl hingerichtet und als der Markt Dießen noch die niedere Gerichtsbarkeit hatte, mussten vom 16. bis 18. Jahrhundert elf Personen wegen ähnlichen Straftaten den Henkertod sterben. Wenn zwar im 19. Jahrhundert im Gegensatz zu heute die Straftaten nicht so arg waren, so tauchten doch in gewissen Zeitabständen Räuberbanden auf, die in ihrer Gegend ihr Unwesen trieben und die Leute in Furcht und Angst hielten. Meist aus freier Lustbarkeit am ungebundenen Leben, auch aus Freude am Wildbretschießen, taten sich mehrere gleichgesinnte Burschen aus der Umgebung zusammen und bildeten unter einem Anführer eine Räuberbande. Meist nahm die Sache durch das Wildern einen Anfang, aber da dies zu ihrem aufwendigen Lebenswandel nicht mehr ausreichte, raubten sie Bauern, Müller, Kramer und Pfarrhöfe aus und überfielen Reisende auf offener Strasse. Zur Sicherheit hatten sie überall zerstreut ihre Verstecke und ihre Hehler und Helfer und so mancher, der über ihren Aufenthalt wusste, getraute sich nichts zu sagen, da er fürchtete, sie könnten ihm ein Leid antun. Bis die Polizei von ihrem Versteck erfuhr, waren sie schon wieder verschwunden, denn zur damaligen Zeit machte der Gendarm noch zu Fuß mit Helm, langem Säbel und Gewehr seinen Patrouillengang. So war es auch mit der schon längst vergessenen sogenannten Riedlbande, welche um das Jahr 1832 in unserer Gegend ihr Unwesen trieb. Ähnlich hauste auch zuvor die Bande des berüchtigten "Bayerischen Hiasl" Mathias Klostermaier, als Taglöhnersohn am 3. September 1736 in Kissing geboren, wildernd mit seinen 40 Anhängern durch das schwäbische Land, bis ihn seine Häscher am 14 Januar 1771 in Osterzell nach zweistündigem Kampf mit Toten und Verwundeten fassten. In Ochsenhaut genäht, gehängt und gerädert, fand am 6. September 1771 in Dillingen die Hinrichtung statt. Der Räuber Mathias Klostermayr genannt der "Bayerische Hiasl" mit seinem Jungen und seinem großen Hund Zwei ganz gerissene und gefürchtete Räuber waren die um 1843 bei Schrobenhausen geborenen Ferdinand Gumpp und Eduard Gännswürger. Ob auf offener Strasse oder in Bauernhäusern, überall raubten und stahlen sie, wehe wer sich zur Wehr setzte, dem war sein Leben abgeschrieben. Das größte Husarenstück leistete sich wohl Gumpp, wie ihn am 21. März der Gendarm Anton Bauer, als er bei seiner rothaarigen Kellnerin war, festnehmen wollte, erschoss er ihn mit einem Brustschuss. Bei seiner Beerdigung am Ostersonntag steht er als Soldat verkleidet unter den vielen Gendarmen, die das Geleit gaben, unerkannt am Grabe des Erschossenen. Nicht viel besser betrieb das Räuberhandwerk der auf der Schachermühle von Unterweikertshofen bei Dachau geborene Mathias Kneißl. Geldraub, Straßenraub, Totschlag und Mord stehen auf seinem Konto. Sein Treiben verlängert er noch durch die Flucht, nachdem er in der Andreasnacht im Weiler Irchenbrunn in der Küche des Fleckerlbauern die Gendarmen Brantmeyr und Scheidler erschossen hat. Am 4. März 1901 wurde er in einem Taglöhnerhäuschen in Geißenhofen aufgestöbert und verwundet gefangen genommen, zuvor hatten mehr als hundert Polizisten mit 1200 Gewehrkugeln das Holzhaus durchlöchert. Beim Abbruch des Hauses wollten alle Kneißls Schießlöcher haben und das brachte mehr Geld ein, als das neue Haus kostete. Seine letzte Bemerkung vor der Hinrichtung ist in Bayern zu einem geflügelten Wort geworden. Als Räuber Kneißl vor 100 Jahre am Montag den 21. Februar 1902 um 7 Uhr im Innenhof des Augsburger Gefängnisses zur Hinrichtung schritt, sagte er trocken: "D‘ Woch fangt scho guat o", bestieg die Guillotine und wurde enthauptet. Zuvor hatte er sich als Henkersmahlzeit sechs Glas Bier bestellt. Für die bayerische Justiz war damit ein Kapitel räuberischer Kriminalität abgeschlossen, doch als "bayerischer Robin Hood" ist Mathias Kneißl (1875-1902) bis heute ein Legende. Wohl ist noch manchen der älteren Generation das Treiben von Köstler und Wiedemann von Hofstetten Anfang 1930 in unserer Gegend bekannt; als ihnen der Fluchtweg versperrt war, haben sie den Stationskommandanten von Haupeltshofen erschossen. Wenn auch fast niemand mehr was über die sogenannte Riedlbande was zu erzählen weiß, so soll sie doch nicht vergessen werden, die Räuberbande, die am mittleren Lech von Apfeldorf bis Utting wilderte, raubte und plünderte und so manchen in Schreck hielt, ob nicht die nächste Tat ihm gilt. Zudem hatten sie überall ihre Hehler und Helfer und gar mancher gab ihnen Unterschlupf, was ihre Taten begünstigte. Seine Anfang nahm die Sache bei der Familie Spickert genannt beim "Riedl" Haus Nr. 35 in Apfeldorf. Die Familie bestehend aus dem Vater Lorenz, der Mutter Viktoria, den Söhnen Hans und Kajetan und den Töchtern Anna und Maria führten eine schuldenfreie Sölde mit zwei Ochsen und einigen Kühen. Schon mehrere Jahre wurde in der Umgebung viel gestohlen, wobei der Verdacht schon immer auf die Riedlbuben fiel. Aus Freude an dem ungebundenen leben und der Wilddieberei fanden sich Hans und Kajetan mit mehreren Gleichgesinnten der Umgebung zusammen und bildeten eine Räuberbande. Als Versteck bot ihnen der Filz bei Rott reichlich Gelegenheit und zudem bauten sie noch beim Engelsrieder See eine Höhle mit 8 Schuh tief, 11 Schuh lang und 7 Schuh breit, machten sie mit Holz aus, überdeckten sie mit Holzriegeln, Graswase und Daxkoppen und nur eine kleine verdeckte Öffnung diente als Eingang. Die Sache bekam erst das richtige Gesicht, als Damian Egwolf, genannt der "Bonadami" von Thaining, zur Bande kam. Er war Anderknecht beim Wirt in Thaining und ein überaus geschickter Kerl. Alles was er sah konnte er nachmachen, ein ausgezeichneter Schütze, die Vögel schoss er beim Flug aus der Luft. Als sie erfuhren, dass der Pfarrer Josef Merk von Kinsau über ihre Schandtaten predigte, schworen sie ihm Rache, überfielen ihn nachts, als er von Hohenfurch nach Hause ging, draußen bei dem sogenannten "Stieränger", zogen ihn bis auf das Hemd aus und wollten ihm die Zunge herausschneiden, doch Hans, der Bessere, sagte: "Kajetan it" (nicht). So wurde der erst 18 jährige Gauner verraten, da es in der Umgebung diesen Namen selten gab. Der Pfarrer ging voll Schrecken zurück zum Wirt von Hohenfurch und bat um Kleidung und um Heimfahrt mit dessen Gespann. Kajetan kam nach Schongau in Untersuchungshaft und von da aus am 28. April 1830 auf fünf Jahre in das Zwangsarbeitshaus nach München, wo er bald nach seiner Entlassung an Wassersucht starb. Als einer ihrer gemeinsten Taten galt, als die Bande am 23. Juli 1832 den Gast- und Tafernwirt Josef Wegele von Thaining erschoß. Damian Egwolf hatte als Anderknecht Kenntnisse, dass von einer Schlachtung her im Schlachtraum eine Kuhhaut liegt. Wie dies die Bande erfuhr, war die Haut auch schon gestohlen. Erbost über diesen Diebstahl brachte der Wirt den Vorfall zur Anzeige, was aber nicht ohne Folgen blieb. Am gleiche Tag abends war beim Wirt in Issing Tanzmusik. Während dieser Zeit entfernten sich unbemerkt einige der Bande, liefen schnell nach Thaining und lauerten Wegele ab. Wie er mit aufgekrempelten Hemdärmeln und verschränkten Armen am Krugkasten stand und sich mit Gästen unterhielt, schossen sie durch das Fenster, und der 46 jährige Wirt sank von der Kugel getroffen tot zu Boden. Wenn sie zwar zwischenzeitlich keine besonderen Einbrüche verübten, so machten sie am Heiligen Abend 1832 in der bei Rott gelegenen Mahlmühle des H. Pröbstl (Grubmühle) eine Einbruch. Kaum hatte er die Beutelmühle, um 11 Uhr, etwas früher als sonst, abgestellt und sich ein wenig Ruhe auf dem Kanapee gegönnt, seine Frau war zur Mette gegangen, hörte er ein Schlittengespann vorfahren. Im nächsten Moment hörte er auch schon ein krachen und die Tür zur Mühle war aufgebrochen. Nachdem er das Leinlicht ausgemacht hatte und versteckt vom Söller aus zusah, was los ist, sah er wie zwei Männer und eine Frau Säcke mit Getreide und Mehl aufluden. An eine Gegenwehr dachte er nicht, da er glaubte sie würden ihm ein Leid antun oder das Haus anzünden. In kurzer Zeit waren sie auch wieder verschwunden wie sie gekommen waren. Am anderen Tag erfuhr er, dass auf der Strasse nach Birkland ein vermummter Posten stand, der den Zugang zur Mühle bewachte. Der Weber vom Engelsriedersee, der sich infolge des schlechten Wetters verspätet hatte wurde samt seiner Familie wieder zurückgetrieben. Das Pferd hatten die Räuber vom Riedhof nachts entlehnt und am Morgen stand es wieder, jedoch abgejagt und voller Schweiß, im Stall. Eine schweren Raubüberfall machte die Bande am Ostersonntag, den 6. April in Obermühlhausen. Als die Gesamtgemeinde zur Osterfeier in der Kirche versammelt war, brachen sie vormittags um 10 Uhr von hinten her kommend beim "Trautemann" Haus Nr. 26 ein und raubten die ganze Krämerei aus. Da sich die 78 jährige Maria Anna Müller, die allein zu Hause war, zur Wehr setzten wollte, machten sie kurzen Prozess, misshandelten sie und nagelten sie mit Stemmeisen am Stubenboden fest. An den Folgen starb die Frau, die in ihrem Ruf sehr brav und menschenfreundlich galt. Bei dem Überfall waren auch der Baldes Egwolf und der Zimmermann Josef Rester von Thaining dabei, weshalb letzterer den Spitznamen "der Stemmeisensepp" bekam. Zum Verhängnis wurde ihr letzter Raub, als die Bande in der Nacht zu Gründonnerstag auf Karfreitag 1833 zur Rehpoint in Birkland einbrach, die Hausleute misshandelte und der armen Witwe alles raubten und den Erlös von einer verkauften Kuh stahlen. Weil sich zwar der Verdacht auf einige Bandenmitglieder richtete, brachte doch die am Karsamstag vorgenommene Hausdurchsuchung kein Ergebnis. Jedoch ein Bauer aus Rott hatte gesehen, wie die Riedleute trotz schlechten Wetters am Karsamstag draußen auf der Wiese taten als ob sie arbeiten würden, so suchte der Ortsvorsteher nach den Ostertagen das umliegende Gelände ab und fand unter einem Laubhaufen versteckt all die gestohlenen Sachen der Rehpoint. Auf Grund der Funde kamen mehrere Verdächtige durch die Gendarmerie und Gerichtsdiener zur Verhaftung und Untersuchung nach Schongau, aber wieder kein Geständnis. Nun ließ man sie bei Nacht zusammensperren und der Gerichtsdiener, der heimlich horchte, erfuhr die meisten Namen der Bande, der Räubereien, die Verstecke in Starenhöhlen, Brunnenkübeln und hohlen Bäumen. Die gestohlenen Zinnteller von Aich bei Birkland waren unter einem Erdhaufen, jedoch lagen die meisten gestohlenen Sachen in eine Haus in Haid. Mit der von ihnen angefertigten Geldpresse machten sie aus geschmolzenen Zinn und Silbersachen Geld. Gegen 30 Personen wurden dann nach und nach aus der ganzen Gegend verhaftet und dem Richter zugeführt. Die Mutter, Viktoria, ist bald im Arrest gestorben, auch die meisten anderen verhafteten starben während des achtjährigen Untersuchungsprozesses. Einige wurden zu lebenslänglich verurteilt, andere auf mehrere Jahre. Den Egwolf Dami hat seine eigene Frau Theresia in einem Kornfeld verraten, nach seiner Verurteilung kam er ins Strafarbeitshaus nach München und starb an Kettenstrafe. Am 18. April 1841 schrieb er einen Brief an seinen Vater, Xaver Egwolf worin er sein Elend schildert, an Ketten gehängt liege er in seiner Zelle, frierend und hungernd, reumütig bekennt er seine Fehler usw.. Leider ist dieser Brief verlorengegangen, der sich längere Zeit im Besitz des früheren Heimatforschers Architekt Hans Greißl von Thaining befand. Heute ist alles still geworden um sie und keiner weiß mehr über ihre Räubertaten. Bis um die Jahrhundertwende wusste mancher noch mehr oder weniger selbst Miterlebtes zu erzählen. Nur so manche Kinder wurden in Furcht gesetzt, wenn die Eltern drohten: " Wenn ihr nicht brav seid, kommt die Riedlbande und nimmt euch mit!" Ihre Taten in Ludenhausen:
Quelle:Wolfgang Bauer von Thaining und B. Stämmele von Gimmenhausen
Wie‘s früher war im Dorf Der Torfstich – "Wesa-Stecha"Der Torfstich in Ludenhausen (Das "Wesa -Stecha") – oder der Ochsenfilz Wohl getrieben von der Not bei der Brennstoffversorgung hat man sich in Ludenhausen entschlossen den "Ochsenfilz" – im Besitz des Freistaates Bayern aus den Überlassungen des Klosters Wessobrunn als Folge der Säkularisation von 1803 – für die Torfgewinnung zu nutzen. Eine entsprechende Torfausbeute war schon lange vorher im "Gimmenhauser Filz", im "Blindseefilz" und den ausgedehnten Mooren in der Nachbargemeinde Rott bekannt und üblich. Der Ochsenfilz liegt an der Straße zwischen Ludenhausen und Abtsried – rechts am Beginn des Staatsforstes. Mit der staatlichen Forstverwaltung wurde im Jahr 1946 ein 30jähriger Pacht- und Nutzungsvertrag geschlossen, der den Abbau von Torf und wohl auch die Holznutzung auf den ausgewiesenen Parzellen vorsah. Um mit dem Torfstich beginnen zu können war es notwendig, für eine Wasserabführung zu sorgen sowie einen Zufahrtsweg zu den einzelnen Parzellen – ausgehend von der oben erwähnten Verbindungsstraße zwischen Ludenhausen und Abtsried zu schaffen. So wurde im Herbst 1946 damit begonnen, den Weg zur Erschließung des Torfstiches zu bauen. Dafür wurden ca. 500 cbm Kies von der Kiesgrube in Ludenhausen (heute Leitenberg-Nord) – Abbildung 1: Moorlandschaft im Ochsenfilz , Foto H. Kümmeth, Winter 1998 Abbildung 2: Gefluteter Torfstich im Ochsenfilz, Foto H. Kümmeth, Winter 1998 eine riesige Aufgabe wenn man sich vorstellen muss, dass dafür ausschließlich Handarbeit und Ochsen- bzw. Kuh- und Pferdegespanne für die Arbeit zur Verfügung standen. Links und rechts des Weges wurden gleichzeitig Entwässerungsgräben (ca. 2 m tief) angelegt, d.h. von Hand gegraben, welche das Moorwasser über die Reutte (Flurname) in den Windachgraben im Lochtal führten – eine ebenfalls sehr schweißtreibende Arbeit, vor allem beim Durchstich einer Lehmschicht am Zugang zu den zu erschließenden Parzellen. Abbildung 3: Moorlandschaft im Ochsenfilz, Skizze von Georg Ringmayr Nach dem Bau des Weges wurden die Parzellen ausgemessen und ausgepflockt und anschliessend unter den Bewerbern verlost. Bewerbungsrechte hatten nur die Familien welche sich an dem Wegebau und an der Entwässerung durch Eigenleistungen vorher beteiligt hatten. Die auf der Westseite des Weges liegenden Parzellen waren breiter und kürzer, auf der Ostseite dagegen etwas schmäler, dafür aber etwas länger. Im Jahr 1947 wurde dann schließlich mit dem ersten Torfstich begonnen. Die abzubauende sowie die umliegende Fläche mußte ca. 20 – 40 cm tief abgeräumt werden ehe mit dem 1. Stich sogenannte "Wesapudl" gestochen werden konnten. Diese Schicht war zum Heizen ziemlich ungeeignet. Das Material wurde überwiegend für die Einstreu im Stall verwendet. Findige Bauern hatten diese "Wesapudl" sogar durch die Stiftendreschmaschine zerkleinern lassenund um sie besser verwenden zu können - ein Verfahren das im wahrsten Sinne des Wortes viel Staub aufgewirbelt haben soll. Mit dem Torf verhält es sich wie mit der Kohle – je dunkler die Farbe desto besser die Qualität. Von oben nach unten hat man zuerst die erwähnten "Wesapudl", dann rötlich gefärbte und schließlich schwarzen Torf gewonnen. Insgesamt hat man sich ca. 7 – 8 Stiche tief nach unten gearbeitet – pro Stich ca. 20 – 25 cm tief- insgesamt bis zu 2 m . Die Nutzungsgebühr für den Torfstich richtete sich neben einer zu entrichtenden jährliche Grundpacht in Höhe von 1,70 DM in etwa nach der jährlich abgebauten Jahresmenge. Aufzeichnungen der Familie Michael Weinberger weisen jährliche Zahlungen zwischen 4 und 7 DM in der Zeit zwischen 1960 und 1970 aus. Dieses Geld wurde vom Vorstand der genossenschaftsähnlichen Interessensvereinigung Ochsenfilz kassiert und jährlich an die Staatsforstverwaltung abgeführt. Diese Amt hatte über Jahre Herr Johann Ringmayr ausgeübt. Der Torfstich fand – je nach Witterung – überwiegend vor der Erntezeit im Monat Mai statt (die Bauern hatten damals noch keine Arbeit mit der Grassilage wie heute) und dauerte so ca. 3 Tage (ohne die Arbeit für das Trocknen und Bergen). Für den Torfstich waren mindestens 3 Arbeitskräfte notwendig, wobei 1 Kraft (ausschließlich Männer) für das Stechen und hochwerfen der "Wesa" zuständig war, während – zumeist Frauen und Kinder – die "Wesa" fingen und abwechselnd auf Schubkarren ("Wesa-Karra") legten und anschließend zum Trocknen auf der noch nicht abgebauten Fläche ausbreiteten. Dort blieben sie meist ca. 14 Tage bei schönem Wetter liegen bevor es an’s "Aufbocken" ging, das heißt zum weiteren Trocknen musste der Torf vom Boden aufgenommen und meist zu 6 Stück im Verband aufgestapelt werden. Nach einiger Zeit hat man dann bis zu 10 oder 12 Stück aufeinander gestapelt – oft mit einem "Stecken" in der Mitte zu Statilisierung des Stapels. Die Größe eines einzelnen Torfstückes betrug ca. 6 – 8 cm im Quadrat und 20 – bis 25 cm Länge. Es gab sogar einige, die die Torfstapel mit Zuhilfenahme einer Richtschnur angelegt haben um besonders gerade Reihen anzulegen – ein Ausdruck von gesundem Stolz und Freude sowie Zufriedenheit mit der Arbeit, die heute nicht mehr so selbstverständlich anzutreffen ist. Nach dem Trocknen wurden die "Wesa" in einen kleinen Stadel mit einer luftdurchlässigen Bretterschalung vor Ort gelagert oder wer sich den Luxus eines Stadels nicht leisten konnte oder wollte gleich mit Gespannfuhrwerken nach Hause gefahren. Die im Stadel gelagerten "Wesa" wurden im Herbst und dann im Winter mit Schlitten nach Hause gebracht und meist noch im gleichen Jahr verfeuert. Abbildung 4: Wesastadl, Wesakarra und Wesaeisen, Skizze von Georg Ringmayr Beim Torfstechen hat man sich den ganzen Tag im Filz aufgehalten. Am Morgen ging es zwischen 8 und 9 Uhr per Fuß oder Fahrrad los. Am Nachmittag ist man gegen 4 Uhr wieder nach Hause aufgebrochen. Mittagessen und Brotzeit samt Getränken hat man von Zuhause mitgenommen, so dass man den ganzen Tag versorgt war. Im Sommer wurde der Ochsenfilz oft auch von Frauen und Kindern zum Sammeln von Blaubeeren ("Bodenbeeren") aufgesucht. Aus den gesammelten Blaubeeren hat man dann Marmelade eingekocht. Das Werkzeug war meistens im Stadel untergebracht. Man benötigte das Eisen zum Stechen ("Wesaeisa"), eine Schaufel, eine Kreuzhaue zum Entfernen von eingewachsenen Wurzeln und 2 Schubkarren – aus Holz gefertigt mit eisenbereiften, meist breiteren als üblichen Rädern aber auch mit eingebauten alten Rädern von Motorrädern. Die größeren gummibereiften Räder hatten den Vorteil, dass der Schubkarren auf dem unebenen Gelände besser geschoben werden konnte. Abbildung 5: Torfstechen im Ochsenfilz Abbildung 6: Aufschichten der Torf-"Pudl" zum Trocknen Abbildung 7: "Wesa-Karra" beladen Abbildung 8: "Wesa-Karra" schieben Abbildung 9: Torfstich – ist Gemeinschafts- und Familienarbeit Abbildung 10: Anton Schleich sen. beim Torfstechen Die nachfolgende Skizze zeigt in schematischer Weise die Parzellierung des Torfstiches im Ochsenfilz:
Abbildung 11: Skizze Parzellierung des Torfstichs im Ochsenfilz Neben dem Torfstich im Ochsenfilz gab es für die Bewohner von Ludenhausen und Gimmenhausen noch Torfnutzungen im sogenannten "Gimmenhauser Filz" und im Blindseefilz. Diese Torfstiche sind mit Sicherheit schon viel früher genutzt worden als dies im Ochsenfilz der Fall war. Diese Torfstiche unterschieden sich zum Ochsenfilz dadurch, dass es sich hierbei um eigene Grundstücke der Bauern handelte, während der Ochsenfilz ja "nur" gepachtet war. Als im Jahre 1976 der Pachtvertrag auslief und von Seiten der Staatsforstverwaltung die Nutzungsrechte am Ochsenfilz zurückgezogen wurden, waren längst nicht mehr alle Torfstiche genutzt worden. Trotzdem wurde diese Entwicklung von vielen mit etwas Wehmut bedauert – wohl dürften dabei weniger die wirtschaftlichen Interesses als die trotz der harten Arbeit doch schönen Erinnerungen an die Zeitspanne des Torfstiches im Ochsenfilz eine Rolle gespielt haben. Abbildung 12: Renaturierte Moorlandschaft im Ochsenfilz, Foto H. Kümmeth, Winter 1998 Der Zeit der intensiven Nutzung und Ausbeutung in Form von Torfabbau folgte die Renaturierung, d.h. im wesentlichen die Rückgängigmachung der Entwässerung durch Wiederaufstauen des Wassers mittels durch Verbau der Drainage beiderseits des Weges. Abbildung 13: Gefluteter ehemaliger Torfstich im Ochsenfilz, Foto H. Kümmeth, Winter 1998 Nachwort des Autors: Obwohl man heutzutage aus ökologischen Gesichtspunkten den Torfabbau durchaus kritisch gegenüberstehen kann – in der damaligen Zeit stand nun mal halt die Gewinnung von Brennmaterial im Vordergrund – sind doch die "Umweltschäden", die damit verbunden waren in sehr engen Grenzen geblieben. Auch heute noch gehen wir viel zu sorglos mit dem Verbrauch von Ressourcen um - es sei nur auf den Verbrauch von Heizöl und Treibstoff hingewiesen. Wenn man heute - nach ca. 30 Jahren - das Areal des ehemaligen Torfstiches betritt haben nur noch "Insider" eine Ahnung von der Nutzung der Flächen in den vergangenen Jahren. Man findet heute Moorflächen mit Birken- und Kiefernbeständen sowie manche Arten von Sträuchern und bodendeckenden Pflanzen – darunter immer noch umfangreiche Blaubeersträucher deren Früchte leider nicht mehr in die Marmeladengläser wandern – in Abwechslung mit kleinen Wasserflächen in den wieder gefluteten Torfstichen – scheinbar alles in völliger Eintracht mit der Natur – so als ob dies schon immer so gewesen war. Quelle:Aufgezeichnet von Georg Ringmayr
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