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Die Römer in Bayern -- von 15 v. Chr. bis zum Endpunkt des römischen Reiches im Jahr 476 n. Chr. - fast ein halbes Jahrtausend prägten sie entscheidend die Geschichte, Kultur und Lebensgefühl unseres Landes. Die römische Provinz Rätien Im Jahre 15 v. Chr., vierzig Jahre nach Unterwerfung der keltischen Stämme in Gallien, brechen die Stiefsöhne des Kaisers Augustus, die Feldherren Drusus und Tiberius, mit ihren Legionen über die Alpen nach Norden auf um die keltischen Stämme im Alpenvorland zu unterwerfen. In schweren Kämpfen wurde 15 v. Chr. das Gebiet der Räter und Vindiliker von den Römern erobert. Sie besetzen die heutige schwäbisch-bayerische Hochebene bis zur Donau. Mit ihrem Feldzug machen sie in nur einem einzigen Sommer den ungezügelten bedrohlichen Streifzügen der Räter und Vindiliker samt ihren 45 Teilstämmen ein Ende, so berichtete um 18 n. Chr. der griechische Historiograph Strabon bewundernd. Von denen die nach ihrer Unterwerfung im Land blieben, schreibt er: "Seitdem zahlen sie schon 33 Jahre lang in Ruhe brav ihren Tribut."
Abbildung 1: Statue des römischen Kaisers Augustus, Regierungszeit 43 v. Chr bis 14 n. Chr. (links), Rekonstruktion der Ausrüstung eines römischen Soldaten (mitte), zwei Legionäre aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. (Fundort Mainz) (rechts) Drusus zog über den Reschen- und Fernpaß durchs Inntal und erreichte das Land am Lech von Osten. Sein Bruder Tiberius stieß hingegen von Westen gegen den Lech vor. Er hatte vorher die Schweiz durchquert und am Bodensee sowie bei den Donauquellen größere Heere der Vindiliker besiegt. Es gilt als gesichert, dass die fremden Herren mit der einheimischen Bevölkerung kurzen Prozess machten. Um jeden weiteren Widerstand zu verhindern, so schreibt Strabon, wurden alle wehrfähigen Männer gefangen genommen, deportiert und in römische Kriegsdienste gepresst. Es durften nur wenige von ihnen im Land zurückbleiben, die zur Bestellung der Äcker und Felder unabkömmlich waren. Die im Land gebliebenen Kelten werden romanisiert. Das Sicherheitsinteresse veranlasste Rom, nördlich der Alpen Grenzprovinzen einzurichten. Das Keltenland wird Römerland und ein Teil des römischen Weltreiches. Römische Grenzschutztruppen werden hier stationiert. Die Nordgrenze des römischen Reiches ist weit vorgeschoben, sie soll den wachsenden Druck der sich im Norden aufgestauten Germanenstämme aufhalten. Rätien - lateinisch Raetia: "Raetia et Vindelicia", die nach diesen beiden Stämmen benannte Provinz mit der Hauptstadt "Augusta Vindelicorum" (Augsburg), umfasste das Gebiet des Alpenvorlands bis zur Donau zwischen dem Bodensee und Inn, im Süden bis zu den westlichen oberitalienischen Seen und etwa vom St. Gotthard im Westen bis zum Brenner. Zu Rätien gehörten vom heutigen Staatsgebiet Österreichs Vorarlberg und Tirol westlich des Ziller- und Inntals. Der Inn, die Grenze zwischen den keltischen Stämmen der Vindiliker und Noriker, bestimmt die neuen Provinzgrenzen zwischen Rätien und Norikum. Abbildung 2: historische Landkarte der römischen Provinz Raetien Die Römer im Süden Germaniens -- das bedeutete südländisches Leben nördlich der Alpen. Mit den Soldaten kamen auch Händler und Beamte, samt ihren Familien. Eine Welt für sich, eine eigene Geschichte des Landes, ganz anders als die Germanen des Nordens. Die Römer ließen sich mit Lebensmitteln und Gütern aus Italien versorgen und verwöhnen. Sie führten Wein ein und bauten ihn auch hier an.
Abbildung 3: Römische Glaswaren , Tafelgeschirr und Münzen Kaiser Hadrians (Römisches Museum Augsburg) In den Städten und Siedlungen werden Tempel, Wohnhäuser, Läden, Foren, Bäder, Theater, öffentliche Gebäude, Tore und Denkmäler errichtet. Germanien war kein zusammenhängendes Territorium das die Römer als komplett unterworfen ansehen konnten. Endgültig nach der verlorenen Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr., bei der die Germanen unter ihrem Anführer Armin dem Cherusker drei römische Legionen ( ca. 15000 Fußsoldaten und 900 Reiter) vernichteten, wurde der Plan aufgegeben, ganz Germanien bis zur Elbe zu unterwerfen und zur römischen Provinz zu machen. Die Römer begnügten sich mit den südlichen und westlichen Landesteilen. Abbildung 4 : historische Landkarte von Germanien zur Zeit der Römer Der römische Limes Zur Absicherung der römischen Nordgrenze wird im 1. Jahrhundert nach Christus unter Domitian (81-96 n. Chr.) ein weit gespanntes Verteidigungssystem vom Rhein bis zur Donau – der Limes Romanus – erbaut, 555 Kilometer ist er lang. Zunächst war es nur ein Erdwall auf dem ein Flechtwerkzaun geführt wurde. Später im 3. Jahrhundert wurde der Palisadenzaun durch eine bis zu drei Meter hohe und 1,20 Meter breite Steinmauer ausgebaut. In regelmäßigen Abständen, alle vier- bis achthundert Meter, stehen hölzerne später steinerne Wachtürme, besetzt mit jeweils vier bis fünf Wachsoldaten. Sie dienen zur Überwachung und Nachrichtenübermittlung des Grenzsystems.
Abbildung 5: römischer Limes: (oben von links), Schema des Limes mit Erdwall und Holzpalisade und mit Steinmauer, Kastell, rekonstruierte steinerner Wachturm (Hillenroth); (unten) Reste des Limes heute "Pfahldöbel" Baden-Württemberg, Grundmauern Kleinkastell Burgsalach, Steinmauer bei Hüttlingen, Steinturm bei Mönchsroth In Kastellen hinter dem Limes sind die Unterkünfte der Wachtruppen. Die Truppen sind bunt zusammengewürfelt – in Einig an der Donau Reiter aus Britannien und Truppen aus Nordafrika zum Beispiel im Allgäu. Dort wo sich eine natürliche Grenze anbietet läuft der "nasse Limes" entlang der Flussläufe von Donau, Main und Rhein. In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts wird der Grenzverlauf zwischen Donau und Rhein weiter nach Osten vorgeschoben und durch den Vorderlimes über Neckar und Odenwald zusätzlich abgesichert.
Abbildung 6: Verlauf des obergermanischen Limes mit Legionslagern In unserer Gegend stammen die ersten archäologischen Zeugnisse aus dem ersten Jahrzehnt der römischen Invasion von den römischen Militärlagern Epfach und Augsburg (Oberhausen). Auf dem Lorenzberg, dem vom Lech umspülten Inselberg bei Epfach, wurden vor wenigen Jahren eine Grabung unternommen. Dort wurde unter den Resten eines spätkaiserlichen Mauerrings eine frührömische Militärstation identifiziert. In dem Areal von etwa 0.25 Hektar und dürften in der Zeit von 15 v. Chr. bis annähernd 50 n. Chr. maximal 80 Mann einschließlich Reiter stationiert gewesen sein. Solche kleinen Militärstationen sorgten für einen reibungslosen und sicheren Ablauf des Nachschubs und des Meldewesens auf den wichtigsten Verkehrsadern. Die Via Claudia Zur Mitte des ersten Jahrhunderts hin, ab 46/47 n. Chr. begannen die Römer mit dem Bau der Via Claudia, jener großen und langen Staatsstraße, die von Venedig nach Augsburg führte. Über Trient zog sie das gesamte Etschtal hinauf bis zum Reschenpaß und überquerte bei Hochfinstermünz auf einer Brücke den Inn. Nach Überwindung des Fernpasses und des Außerfern erreichte die Straße bei Pflach den Lech, dem sie auf dem rechten Ufer folgte. Beim heutigen Zollhaus Weißhaus wurde der Gebirgsfluss abermals von einer Holzbrücke überwunden. Über Faulenbach und Füssen zog die Via Claudia weiter nach Lechbruck den Lech nun immer am linken Ufer entlang. Die Via Claudia war mit Stationen und Raststätten den sogenannten "mansiones" und einer Straßenpolizei ausgestattet.
Abbildung 7: Römischer Meilensteine von der Via Claudia, "Ti(berius) Claudius Caesar Augustus Germ(anicus) viam Claudiam Augustam ...." lautet die Inschrift auf den zwei einzigen Originalmeilensteinen, die gefunden wurden Die nächsten Stationen waren dann Burgen, Altenstadt, Epfach, Erpfting und Igling. In Epfach (Abodiacum) kreuzte die Via Claudia die Ostwestverbindung die römische Heerstrasse von Salzburg (Juvavum) über Gauting (Brabantanium) nach Kempten (Cambodunum) und Bregenz (Brigantium) an den Bodensee. Die Via Claudia führte mitten durch Augusta Vindilicum bevor sie einigen Meilen weiter nördlich in Summuntorium (Burghöfe bei Mertingen) endete nach exakt 350 römische Meilen oder 517,3 km Länge. An den Straßen informierten sich die Reisenden und Kuriere an Meilensteinen, wie weit es noch bis zur nächsten Station oder Siedlung war. Die Entfernung wurde in Meilen (eine römische Meile = 1478 Meter) angegeben. Nur zwei von den Meilensteinen wurden bisher gefunden. Spurensuche an der Via Claudia Nicht immer sind historische Orte auch heroische. Fantasie ist vonnöten. Ortsende Königsbrunn, südlicher Vorort von Augsburg - hier war eine Mutatio, eine Straßenstation. Hier hatten die Legionäre das Ziel ihres wochenlangen Marsches vor Augen. Neben der Nepomuk-Kapelle bietet das Gasthaus gleichen Namens Scampisticks mit Mango- und Chilifäden im Bambuskorb gedämpft an. Auf der anderen Straßenseite beginnt der längste zusammenhängende (elf Kilometer) und noch heute gut erkennbare Abschnitt der Via Claudia in Deutschland. Zunächst führt er vorbei an Schrottplätzen und Hinterhöfen und erreicht schließlich das Lechfeld, 955 Schauplatz der historischen Schlacht gegen die Ungarn. Oberstes Prinzip römischer Straßenbauer: eine schnurgerade Verbindung von Punkt A nach B schaffen. Dafür wurden Felsen weggesprengt, Sümpfe auf Bohlendämmen durchquert, Bergrücken untertunnelt und Brücken gebaut. Die antiken Fernstraßen waren fünf bis sieben Meter breit, es gab Abflussgräben auf beiden Seiten, Drei-Meter- Streifen links und rechts der Fahrbahn durften weder bepflanzt noch bebaut werden. Aus Materialgruben, noch gut erkennbar, wurde der Straßenbelag regelmäßig erneuert. Genormte Spurbreite im gesamten Reich: 110 Zentimeter.
Abbildung 8: Via Claudia -- gepflasterte Strasse mit genormter Spurbreite bei Klais Eine Gruppe Kinder mit zwei Betreuerinnen kommt uns entgegen. "Sie zeigen den Kleinen die alte Römerstraße?" Nein, wieso? "Sie wissen, dass Sie hier auf der Via Claudia sind". Nein, man sei da nicht so bewandert. Die Kinder wühlen im Matsch. 25 bis 35 Marschkilometer legten die Infanteristen am Tag zurück. Mit einer schnellen Birota, dem einachsigen Reisewagen, schaffte man bis zu 80 Kilometer. Eilkuriere des kaiserlichen Cursus Publicus, Poststafettenreiter, kamen auf über 200 Kilometer. Die kaiserliche Post genoss Vorrechte und war bei den Anrainern ziemlich verhasst. Letztere mussten bei Tag und Nacht für Reit- und Zugtiere, Gespanne und Wagen, Unterkunft und Verpflegung, Pferdeknechte und Tierärzte sorgen. Nutzen durften sie die gut funktionierende Post nicht. In drei Tagen waren schriftliche Befehle aus Rom in der Frontstadt Augsburg, mündliche Mitteilungen per Lichtsignal brauchten 24 Stunden.
Abbildung 9: Relief eines römisches Gespanns (Römisches Museum Augsburg) Oberottmarshausen - Kleinaitingen - Graben. Von hier zog der Leinenwebemeister Hans Fugger 1367 nach Augsburg. Sein Nachfahre Jakob der Reiche, führte das Haus Fugger zur größten Handelsgesellschaft der damaligen Welt. Über die Via Claudia, die ihm die Römer hinterlassen hatten, wickelte er den Handel mit Venedig ab. Obermeitingen, die Dorfstraße folgt der Via Claudia. Weiter geht's über Hurlach, mit einem Meilenstein am südlichen Dorfausgang, Igling, an Landsberg vorbei, nach Epfach. Die Legionäre wurden aus dem gesamten riesigen Imperium rekrutiert, hier auf dem Lorenzberg waren sie seit der Eroberung Raetiens zwischen 10 und 50 n. Chr. stationiert - die schneebedeckte Alpenkette im Rücken, Hunderte, oft Tausende Kilometer von der Heimat entfernt. Die Bedeutung des römischen Abodiacum (Epfach) und die ihr nachfolgende Siedlung liegt offensichtlich von Anfang an in seiner Funktion als Straßenknotenpunkt am Flußübergang des Lechs, weshalb hier für die Siedlung im Ort der Bezeichnung Straßensiedlung gebraucht wird. Die geographischen Gegebenheiten machten Abodiacum zum erstrangigen Verkehrs- und Handelsknoten. Hier kreuzte die Ost-West-Tangente von Bregenz über Kempten, Raisting nach Salzburg die Via Claudia. Beim Bau der neuen Lech-Staustufe bei Epfach im Jahr 1954 entdeckte man im Flußbett des Lechs sechs hölzerne Brückenpfeiler der römischen Brücke mit eisernen Pfahlschuhen. Bei zahlreichen systematischen Grabungen kamen viele römische Siedlungsspuren zum Vorschein die im "Museum Abodiacum" in Epfach zu bewundern sind. Claudius Paternus Clementianus (65-130 n.Chr.) war ein bedeutender Mann der aus Abodiacum stammte. Dieser hohe römische Beamte keltischer Abstammung hatte es in vielen Stationen im Militär- und Zivildienst des römischen Reiches in Ungarn/Rumänien, Judäa, Sardinien und Nordafrika bis zum Procurator (Statthalter) der Provinz Noricum (Österreich) gebracht. Er war unter anderem oberster Richter, Oberbefehlshaber der Hilfstruppen und Leiter der kaiserlichen Kasse. Er kam später nach Epfach zurück und nahm hier seinen Altersruhesitz.
Abbildung 10: Büste des Claudius Paternus Clementianus (Museum Abodiacum, Epfach) Zwölf Uhr auf dem Lorenzberg: Der Magie dieses Ortes kann sich nicht entziehen, wer den Fußweg vom Lech herauf nimmt und seine Fantasie spielen lässt. Von der Dorfkirche schallt das Mittagsläuten herüber. Wie mögen die Alemannen bei ihren Einfällen um das Jahr 233 hier gegen die Umfassungsmauer gestürmt sein? Die ersten Christen kamen damals, 370 entstand hier einer der frühesten Sakralbauten. Bischof Wikterp stammte aus Epfach, er war dabei, als der heilige Bonifatius um 720 die Kirche des Klosters Benediktbeuern weihte. Die Zeit ging über Abodiacum hinweg. Die römischen Bruchsteine dienten zum Bau des alten Lechwehres in Augsburg. Das wurde 1910 vom Hochwasser weggerissen. Heute ist Epfach nur ein Ort von vielen in Bayern - wäre da nicht die Via Claudia. Abbildung 11: Verlauf der Via Claudia zwischen Augsburg und Oberitalien Abbildung 12: Übersichtskarte des Römischen Imperiums mit Provinzen zur Zeit seiner größten Ausdehnung im Jahr 116 n. Chr. unter Kaiser Trajan Abbildung 13: Lorenzkirche auf dem Lorenzberg an der Lechschleife Römische Siedlung in Ludenhausen? War nun Ludenhausen vielleicht auch römisch besiedelt? Der Name Ludenhausen sagt uns, dass der jetzige Ort eine deutsche Siedlung ist. Wie steht es dann mit der vielfach verbreiteten Ansicht, Ludenhausen sei schon zur Römerzeit besiedelt gewesen? Die Möglichkeit einer früheren Besiedelung soll nicht bestritten werden. Man nahm es vor 100 Jahren als sicher an und das lässt sich nicht aufrecht erhalten. Man witterte damals in den deutschen Ortsnamen Südbayerns allenthalben römische Sprachüberreste. Von diesem Schicksal blieb auch Ludenhausen nicht verschont. In dem Rheinland und in den Niederlanden fanden sich mehrere römische Altäre, die der "dea Hludana" geweiht waren. Also schloss man siegesgewiss, war auch zu "Hludinhusir" ein Heiligtum dieser Göttin, dessen Existenz uns der Ortsname berichtet. Man hat unterdes gelernt, dass man mit solchen Schlüssen äußerst vorsichtig sein muss. Die allermeisten haben sich als trügerisch erwiesen. Wenn nicht ganz sicher andere Beweise vorliegen, darf man aus solchen Namen allein keinen Schluss ziehen. So auch hier. Aber 1834 ist doch ein echter Römeraltar in Ludenhausen gefunden worden! Auch eine Diokletianmünze war dort einmal im Opfergeld! Das ist richtig. Der Altar diente lange Zeit bis zum Jahre 1834 als Ablauf der Traufe des Kirchendachs. Ein Römerforscher, Major Weishaupt, entdeckte ihn und erwarb ihn für das Antiquarium in Augsburg, wo er noch ist. Er besteht aus Kalkstein und hat folgende Ausmaße: 1,11 x 0,60 x 0,47 Meter. Die Inschrift ist vollständig erhalten und lautet in deutscher Übersetzung:
Der Altar stand also vor einem Merkurtempelchen. Das Beiwort Cimiacinus hat er vermutlich von einem nicht näher bekannten Orte. Die Inschrift gibt genau das Datum der Einweihung an: 29. September 211 nach Christus. Das ist nun alles recht schön. Hat aber der Altar für die Ortsgeschichte von Ludenhausen eine wesentliche Bedeutung? Gibt die Tatsache, dass er 1834 dort gefunden wurde, ein Recht zur Annahme, dass er hier auch errichtet wurde? Dass dabei eine römische Niederlassung bestand, etwa von der Art wie das Anwesen auf dem Büchelefeld bei Unterschondorf? Die Römerstraße Epfach – Castra Urusa zog ja in verdächtiger Nähe vorbei und auch die Diokletianmünze, deren Fundort unbekannt ist, bekundet die Anwesenheit der Römer in Ludenhausens Umgebung. Aber wir dürfen uns den Bedenken gegen eine solche Annahme nicht verschließen. Wenn der Altar verhältnismäßig gut erhalten ist, warum finden sich nicht noch irgendwelche Mauerreste im Boden, die seinen Standort in Ludenhausen sicherstellen könnten? Wo sind die sonst an Römerorten häufigen Mauerreste? Die Antwort ist: All das findet sich in Ludenhausen nicht, weil hier kein Römerbauwerk stand; weil der Altar nicht zu Ludenhausen errichtet wurde, sondern zu Epfach oder in der Nähe davon an der Straße gegen Urusa. Dort war eine römische Niederlassung, die nicht bloß im Namen Epfach (von Abodiacum, Eptaticum) weiterlebt, sondern durch viele Bodenaltertümer beglaubigt ist. Dort würden zweifelsohne noch viel mehr Überreste der Römer sein, wenn nicht vieles verschleppt worden wäre. Wir wissen ja wie es im Mittelalter gemacht wurde: wie in Rom und Athen, so auch hier. Bei besseren antiken Bauwerken, Denkmälern und Altären fanden vielfach Marmor oder anderer Kalkstein Verwendung. Das waren bequeme Orte um Gestein zum Kalkbrennen zu gewinnen. Dazu war aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Ludenhauser Römeraltar bestimmt, vielleicht beim Neubau der Kirche. Ein gütiges Geschick bewahrte ihn davor und nun musste er – Jahrhunderte lang wohl – im kühlen Erdboden Frondienste leisten. Verständnislosigkeit hat ihn dazu verdammt, aber gerade diesem Umstand verdankt er seine Erhaltung. Wir wollen den altehrwürdigen Stein unseren Lesern auch im Bilde darbieten, wenn er gleich nicht als Zeuge für die Existenz eines römischen Ludenhausens angerufen werden kann. Ein solches gab es nach dem heutigen Stande der Forschung nicht. Abbildung 14: römischer Altarstein gefunden 1834 in Ludenhausen, Antiquariat Augsburg Ende der römischen Epoche Das Ende der römischen Epoche zeichnet sich schon gegen Ende des 2. Jahrhunderts ab. Es beginnt das Anlaufen gegen den Limes. Die germanischen Völker im Osten und im Nordwesten waren in der Völkerwanderung in Bewegung geraten. Zunächst sind es nur Angriffe auf einzelne Grenzabschnitte und einzelne Kastelle werden zerstört. Sie dringen in raetisches Gebiet ein. Es zeigt sich, dass der Limes keine unüberwindliche Grenze, sondern nur ein Hindernis ist. Was in einzelnen Wellen der Markomannen bis zu den Chatten überfallartig begonnen hat, wird mit dem ersten Sturm der Alemannen im Jahr 233 zur Bedrohung der ganzen Provinz und des Imperiums. Im Jahr 233 jedenfalls hatten die Alemannen, das römische Heer war zu großen Teilen in Persien gebunden, die rätische Mauer überrannt, um bis zum Alpenrand vorzudringen. Das ganze Imperium war damals in einer Krise gestürzt, die seinen Fortbestand in Frage stellte und auch der Beginn des Untergangs war. Als um das Jahr 254 die Germanen, Alemannen und Franken, zu größeren Stammesverbänden vereint, neuerliche Kriegszüge unternahmen ging das Limesgebiet nördlich der Donau und westlich der Iller verloren. Als unter Kaiser Valerianus durch Truppenabzüge zu anderen Kriegschauplätzen das Land um den Lech von seinen Truppen entblößt worden war, trafen die Alemannen bei ihren Einfällen in den Jahren 259/60 ein nahezu schutzloses Land an. So ging das Voralpenland am Lech zunächst mal der römischen Verwaltung verloren. Die Plünderer dehnten ihre Raubzüge bis nach Oberitalien hinein aus.
Abbildung 15: Rom die Hauptstadt der antiken Supermacht Die Überfälle nach Raetien waren ein Schrecken für die Wachen auf den Türmen und die Zivilbevölkerung. Es wurden Verstecke für wertvolles Sachgut und Münzen angelegt, wie es Versteckfunde aus Straubing und Manching zeigen. Ganz Landstriche sind entvölkert und unverteidigt. Raetien scheint bereits verloren. Erst unter Kaiser Probus (276-282) der im Jahr 277 am Lech eine entscheidende Schlacht gewann und Augsburg von der Belagerung befreite kehrte vorübergehend wieder Frieden in Raetien ein. Wegen weiterer germanischer Übergriffe führte später dann Kaiser Diokletian (284-305) einen Feldzug um die Ruhe im Voralpenland wiederherzustellen. Nach einem Aufenthalt in Augustum Vindelicum im Jahr 290 zog er die Donau entlang bis nach Pannonien (Ungarn). Um das Jahr 304 wurde im Rahmen der diokletianischen Christenverfolgung, die hl. Afra auf einer Lechinsel hingerichtet. Ihr Flammentod als Märtyrerin ist das erste bezeugte Zeichen des Christentums am Lech. Erst sein Nachfolger Kaiser Konstantin (306-317) anerkannte im Edikt von Mailand 313 das Christentum als eine Religion, die neben vielen anderen des Reiches ihren Platzt behaupten durfte. Unter Kaiser Theodosius schließlich im Jahr 392 wird das Christentum als Staatsreligion anerkannt. Das ist genau die Zeit als der Limes als feste Grenze endgültig zerfällt. Trotz der Schwäche des Reiches und seiner Grenzen hatte die Provinz noch das ganze 4. Jahrhundert den sogenannten "Barbaren" standgehalten. In einer Zeit, in der die zivile und militärische Ordnung nicht mehr funktioniert, die Bevölkerung von allen Seiten bedroht wird tritt der heilige Severin auf. Severin stammte aus der gebildeten vornehmen Bevölkerungsschicht des lateinsprachigen Westens des römischen Reiches. Er gründet Mönchsgemeinden, versucht der romanischen Bevölkerung beizustehen und die Christen angesichts einer Endzeitstimmung im Glauben zu bestärken. Er versucht die Gemeinden vor den ins Land hereinbrechenden Germanenstämmen zu schützen. Severin will die Bewohner der Provinz Raetien aus der tagtäglichen sich wiederholenden Ausplünderung herausholen und führt viele von Ihnen in die noch sichere Provinz Noricum (Österreich).
Die Lebensgeschichte des heiligen Severin, die "Severin Vita" ist eine einzigartige Quelle für die Zeit der untergehenden Römerherrschaft. Sie wurde von seinem Schüler Eugippius im Jahr 511 verfasst und erzählt von den Bedrohungen durch die Germanenvölker und gibt Zeugnis ab über eine dramatische Zeitenwende. Der hl. Severin stirbt am 8 Januar 482 in Favianis (Mautern). Die römische Bevölkerung folgt dem Aufruf des Rugierkönigs Odoaker, dem neuen Machthaber im Westteil des römischen Reiches zur Rückkehr aller Romanen nach Italien. Wie Severin verfügte, nehmen sie bei ihrer Rückführung den Leichnam des Heiligen mit nach Italien. Seine sterblichen Überreste wurden in Lucullalum bei Neapel dem Wohnsitz des abgesetzten letzten römischen Kaisers beigesetzt. Heute ruhen Severins Gebeine in der Kirche von Frattamaggiore. Im Jahr 476 hatte Odoaker den letzten Herrscher Roms, Romulus Augustulus (475-476) abgesetzt und damit das Ende des römischen Reiches besiegelt. Die römische Herrschaft in Raetien und damit am Lech war zu Ende. Quellen:Henric L. Wuermeling:" Die Geschichte Bayerns", Verlag Langen
Müller, München 2003 Römischer Straßenbau: http://antikfan.de/Themen/strassen/strassen.html
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