Vorgeschichtliche Zeit1. Teil JungsteinzeitDie frühesten Spuren menschlicher Besiedelung in unserer Gegend stammen aus der Jungsteinzeit. Die Jungsteinzeit oder Neolithikum wird das Zeitalter von etwa 5500 bis 1800 v. Chr. bezeichnet. Die entscheidende Veränderung dieser Zeit gegenüber der davor liegenden Mittelsteinzeit oder Mesolithikum (10 000 – 4500 v. Chr.) und die Altsteinzeit oder Paläolithikum (120 000 – 10 000 v. Chr.) ist der Wandel der Wirtschaftsstufe der Jäger und Sammler zu einer durch Ackerbau und Viehhaltung bestimmten Kultur. Der Name Steinzeit weist darauf hin, dass aus dieser großen Zeitspanne von weit über 100 000 Jahren sich nur Steinwerkzeuge in unsere Zeit erhalten haben. Die Menschen der Alt- und Mittelsteinzeit waren Jäger und Sammler. In der Jungsteinzeit tat der Mensch einen gewaltigen Sprung: er wurde mehr und mehr sesshaft. Entscheidend für die Weiterentwicklung war der Ackerbau. Das Sesshaftwerden basiert auf dem aufkommenden Ackerbau mitsamt einer verbesserten Vorratshaltung. So gelang es Wildgräser zu einem ersten Getreide zu veredeln, und für die Winterhaltung des Viehs wurde alljährlich das Herbstlaub eingebracht. Schaf und Ziege, Rind und Schwein wurden domestiziert. Wenn der Bauer ans Roden ging und Einfriedungen für sein Vieh schuf, so sah sich die Bäuerin mit einem umfängliche Haushalt konfrontiert: sie musste nicht zuletzt die tägliche Nahrung vorbereiten und für die Kleiderstoffe sorgen. Voraussetzung und Folge für all dies war auch eine Verbesserung der alten und ein Erfinden von neuen Werkzeugen. Auch am Lech wurde Erstaunliches zu Tage gefördert: So gab der Kies bei Friedberg und Umgebung Gefäßreste, Webgewichte und Spinnwirteln frei sowie einen Mahlstein, Bohrreste und Steinbeile, die Zeugen einer Besiedlung sind. Bei Alsmoos beweist ein Pflugschar frühen Ackerbau. Der Getreideanbau war im Mittelmeerraum schon einige Jahrtausende früher betrieben worden. Er gelangte vom Osten die Donau aufwärts in unser Land. Er hat sich rasch auf den fruchtbaren Lößebenen Süddeutschlands durchgesetzt. Bedeutende Fundorte sind Münchshofen an der Donau, Altheim bei Landshut und Polling. Im Kreisgebiet Landsberg sind bisher einige Funde und Siedlungen bekannt geworden: Pestenacker, Winkl, Landsberg, Obermühlhausen und im Fuchstal. Die ergiebige und z.T. sensationelle Grabung von Pestenacker unweit Landsberg brachte ein ganzes Dorf ans Tageslicht. Es ist die erste sichere Benachrichtigung einer Besiedlung unserer Gegend. Schon 1934 wurden infolge einer Bachregulierung der
südlich verlaufenden Rohrach Reste von Wohnstellen zusammen mit Speiseresten
(Knochen von Rindern, Schafen, Hunden und Schweinen wie auch von Wildtieren wie
dem Rothirsch) zutage gefördert; auch ein bearbeitetes Hirschgeweih war dabei.
Staunenswert ist vor allem was man seit 1988 bergen konnte: In der Schleife des
seinerzeitigen Loosbaches, einem Zufluss des Verlorenen Baches, einem breiten
Schmelzwassertal des ehemaligen Loisachgletschers, lag im 4. Jahrtausend v.
Chr. eine Neben großen schönen Gefäßen des Altheimer Typus – die großen Krüge haben eine Schlickerraue, die kleinen jedoch ein glatte und zum Teil polierte Oberfläche – sind vor allem die Essensreste interessant: Es gab bereits Einkorn und Emmer, aber auch schon Gerste, Erbse und Lein als Nahrung, die durch wildwachsende Äpfel, Erdbeeren, Brombeeren und Holunderbeeren ergänzt wurden. Den Tierknochen nach kannten die Leute von Pestenacker Pferde, Rinder, Schafe, Zeigen, Schweine und Hunde. Ihren Fleischbedarf deckten sie (den Funden nach) zu 69 Prozent durch Haustiere, wobei mit 46 Prozent das Rind an erster Stelle stand. Die restlichen 31 Prozent wurden durch Jagdtiere wie Rothirsch und Wildschwein gedeckt. Während die Geräte und Schmuckgegenstände ähnlich denen sind, die man auch anderorts ausgrub und so nicht mehr aufgezählt werden müssen, sie noch angemerkt, woher man das Rohmaterial speziell für das Werkzeug bezog. Den Plattensilex erwiesenermaßen von Kelheim und den Knochensilex von Ingolstadt. Felsgestein, Knochen und Geweihe fanden sich in der Nähe des Dorfes, für sie bedurfte es keines Handels. Der sensationellste Fund ist aber ein Textilrest von 44 mal 22 Zentimeter, der neben etliche kleine Fetzelchen auf dem Fußboden eines Hauses lag. Es handelt sich um den ersten von Menschenhand gewebten Stoff , den die Archäologie aus dem Neolithikum bei uns kennt. Er erzählt uns, dass damals das Gewebe eine Zwirnbindung einer mitteldicken Schnur war, die aus Bast gesponnen wurde. Man könnte die Machart mit der unserer "Fleckerlteppiche" vergleichen. Eine Besonderheit stellt zudem ein Saumband dar, ein Besatz aus organischem Material, der sowohl den Stoff am Rand stabilisieren half als auch die Jacke oder Weste verschönern sollte. Unsere Vorstellung von den einzelnen Entwicklungsstufen der Kultur wird für die Frühphase überwiegend von Ausgrabungsfunden abgeleitet. Dabei lassen sich verschiedene Kulturgruppen nach den für sie typischen Besonderheiten der Funde (z.B. bestimmte Muster der auf ihnen hergestellten Keramikgegenständen, Bestattungsformen, Arbeitsgeräte etc.) ableiten und räumlich zuordnen. Erstmals für einen großen Teil Europas werden solche Kulturspuren während des Neolithikums greifbar, als, vom Mittelmeerraum ausgehend, weite Teile des Kontinents vom Kulturkreis der Bandkeramik erfasst werden. Die Bandkeramik (4000 v. Chr.) ist die bedeutendste und am weitesten verbreitete Kultur der Jungsteinzeit, deren Ornamentik bestehend aus Spiralen, Mäander und Winkel aus Vorderasien und dem Balkan stammt. Nach 3000 v. Chr. folgt ihr dann die Mode der Schnurbandkeramik.
In die Übergangszeit dieser beiden dominierenden Keramikkulturen gehört die sogenannte Pollinger Kultur, von der zwei Tonbecher bei Bobingen und Inningen gefunden wurden, wie auch die Altheimer Kultur, zu denen die Funde von Mering und Pestenacker gehören. Ganz allgemein ist zu bemerken, dass der Fortschritt in der Jungsteinzeit sicherlich auch mit einer jener klimatischen Veränderungen einherging, die man "Atlantikum" nennt. Von etwa 5500 an bis 2500 v. Chr. wurde es wärmer, sodass sich unter anderem die Eichenmischwälder in Mitteleuropa ausbreiteten. Die Veredelung von Wildgräsern zu Getreide und die Möglichkeit, domestiziertes Vieh den Winter über zu halten, hängen ohne Zweifel mit der klimatischen Vergünstigung zusammen.Von der Religiosität der neolithischen Menschen zeugen zwei schöne Steinbeile die im Lechkies (ehemalige Altwasserarme) bei Langweid gefunden wurden. Nach Lage der Dinge wurden die beiden Waffen wohl absichtlich im Fluss versenkt. Die Fundstücke gehören deshalb ins Feld des Opferkultes sog. Flussopfer und helfen uns ein wenig die Bedeutung nachzuvollziehen, die der einmal wilde und dann wieder fruchtbare Fluss – man denke nur an die Hochwasser, aber auch an die großen Fischzüge (Nasen und Barben) – bei unseren Urahnen hatte. In der Spät- und Endphase dieses geschichtlichen Abschnitts scheint der Lech durchaus schon ein Art Grenzfluss gewesen zu sein, trennte er seinerzeit ganze Kulturen voneinander. Aus dem Osten Europas ist die Altheimer- und Pollinger Kultur sowie später die Schnurkeramik-Kultur bis etwa an den Lech vorgedrungen. Aus dem Westen kam aber die Michelsberger- und nachfolgend die Glockenbecher-Kultur. Quellen:Lechauf-Lechab : Wissenswertes, Liebenswertes
1b. Teil Jungsteinzeit News, Bakterien hatten keine ChanceArchäologen bergen in Pestenacker Textil aus dem Jahre 3491 vor Christus Von STEPHANIE WEH Pestenacker –"Wir ahnten nicht, welche Besonderheit da unter dem Bauschutt hervorkommen würde". Selbst für Grabungsleiter Dr. Guntram Schönfeld grenzt der Fund des 5500 Jahre alten und aus der Jungsteinzeit stammenden Textils in Pestenacker an eine Sensation. Das rund eine halben Meter große Leinegeflecht ist das bisher älteste freigelegte Textil Bayerns. Unter den Augen von Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Landrat Walter Eichner, Bürgermeister Josef Schmelcher und geladenen Gästen bargen Grabungstechniker in der vergangenen Woche das seltene Fundstück aus Haus 9 des Grabungsgeländes. Das Textil befand sich unter einer in 1,30 Meter Tiefe liegenden Brandschuttschicht, die von einem Brand aus dem Jahre 3491 v. Chr. herrührt. Der sauerstoffabdichtende Brandschutt, aber auch die Lage der Siedlungsschicht im Grundwasser hätten es ermöglicht, dass das Textil frei von angreifenden Bakterien geblieben und konserviert worden sei, erklärte Schönfeld. Anhand der Jahresringe des verwendeten Bauholzes könne die Gründung der Siedlung auf 3495 v. Chr. Datiert werden. Vier Jahre danach sei das Dorf durch Brand zerstört worden, so dass mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden könne, dass "das Textil im Jahr 3491 v. Chr. in den Boden geraten ist", so Schönfeld.
Quelle:
2. Teil : BronzezeitBetrachtet man die Entwicklung des keramischen Handwerks in der Jungsteinzeit so muss man annehmen, dass um das Jahr 2000 v. Chr. die Menschen den Umgang mit dem Feuer nahezu vollendet beherrschten. Dieser Umstand führt am Ende dieser Epoche dazu, dass sie in der Lage waren erstmals Metall aus Erz zu gewinnen. Die Entdeckung der Bronze und die Entwicklung metallurgischer Techniken in der Bronzezeit von ca. 2200 bis 1200 v. Chr. hat revolutionäre Entwicklungen im sozialen Gefüge der Menschen nach sich gezogen. Es waren die Vertreter der Schnurkeramik-Kultur und die Glockenbecher-Leute, die als erste Metall in Form von Kupferdolchen und Silber- und Goldschmuck nach Mitteleuropa brachten. Die Bronze, eine Legierung mit 90 % Kupfer und 10 % Zinn, war als neuer Werkstoff wesentlich bruchfester als Steinmaterial wie Silex und Feuerstein und auch härter als Kupfer. Diese Legierung lässt sich schmelzen, gießen und hämmern. Mit einfachen Mitteln wurden Arbeitsgeräte, Kultgegenstände, Schmuck oder Waffen aus Bronze hergestellt. Die Bronze war vielseitig verwendbar und wurde deshalb als ein begehrtes Gut für den Handel und als Wertobjekt gesehen. Der Bronzehandel führte dazu, dass Mitteleuropa mit einem Netz von Handelswegen überzogen wurde. Bronze wird auch in unserer Zeit genutzt; sie ist nicht etwa verschwunden und durch "moderne" Materialien abgelöst worden. Im Gegenteil: sie ist dank ihren einzigartigen Eigenschaften auch heute ein unersetzlicher Werkstoff (z. B. Kesselschmiede). Von dem glänzenden Metall ging eine sinnliche Faszination auf die Menschen aus. Sie fertigten allerlei Schmuck wie Nadeln, Fibeln, Spangen usw. und wichtige Werkzeuge vor allem Äxte und Waffen. Zahlreiche gefundene Schwerter, Lanzen, Dolche und Pfeilspitzen sowie Helme, Brustpanzer, Beinschienen und Schilde bezeugen die technischen Fertigkeiten dieser Menschen. Die große Formenvielfalt von Schmuck- und Gebrauchsgegenständen wie Gewandnadeln und Spangen bzw. Messer und Beilen machen sichtbar im welchen Ausmaß die Menschen dabei ihr technisches und ästhetisches Vermögen weiterentwickelten.
Abbildung 1: Becher und Schmuck aus archäologischen Funden der Bronzezeit Abbildung 2: Dieser Schmuck aus der Bronzezeit illustriert den Gestaltenreichtum und die erstaunliche handwerkliche Perfektion dieser ZeitDie soziale Struktur zeigt eine zunehmende soziale Differenzierung zwischen sesshaften Bauern und den immer noch nomadisierenden Hirten. Veränderungen erfolgten auch im Siedlungswesen. In der Region am Lech wurden einige bronzezeitlichen Höhen- und Flachlandsiedlungen entdeckt die zum Teil sogar befestigt waren. Für die Bronzezeit sind sowohl Einzelhöfe als auch aus mehreren Gehöften bestehende Siedlungen nachweisbar. Die älteste Verwendung des Pfluges (Jochsohlenhaken) ist ein Merkmal dieser Epoche. In der Bronzezeit begann der planmäßige Erzabbau in den Nordalpen. Neben Viehzüchtern und Bauern durchwanderten Prospektoren, sog. "Strahler" die Alpen, und zwar bis hinauf in die höchsten Regionen: sie hielten Ausschau nach Erzen. Die Ausbeutung der Erze war noch extensiv, aber die Erzgewinnung und Erzverhüttung bewirkte eine zuweilen dauerhafte Besiedlung des einen oder anderen Alpentals und wurde natürlich von Ackerbau und Viehzucht begleitet. Das Kulturland wurde in die Mittelgebirge und in höhere Lagen der Alpen hinein ausgeweitet. Eine zeitliche Differenzierung der Bronzezeit wird vor dem Hintergrund der Bestattungsformen vorgenommen, wobei die Hügelgräberbronzezeit (16.-12. Jh. v. Chr) und die Urnenfelderbronzezeit (13.-9. Jh. v. Chr.) die wichtigsten Phasen sind. Im voralpinen Lechgebiet bezeugen vielfach Gräber die Kultur der Bronzezeit. In Obermeitingen fand man fünf sogenannte Hockgräber aus der frühen Epoche. In der Bronzezeit traten zunehmend Einzelbestattungen der Toten in Hockstellung mit mehr oder weniger reichen Grabbeigaben auf. Auch die Via Claudia entlang erzählen etliche Funde aus dieser Zeit. Vor allem sind es die in mehreren Depots vergrabenen Spangenbarren, die man als eine Frühform einer einheitlichen Währung ansehen muss. Diese Funde erlauben Rückschlüsse auf das Leben zwischen 1800 und 1550 v. Chr.. Man kann davon ausgehen, dass die Depots am Ammersee-Südrand herauf bis über die Wertach aus Angst vor Überfällen angelegt wurden. Das Kupfer, das vor mehr als dreieinhalbtausend Jahren bei uns in den Handel kam, wurde vor allem in der sog. Salzburger Schieferzone gewonnen. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass in den größeren Revieren jährlich bis zu zehn Tonnen erzeugt wurden. Als 1968 die Stadt Landsberg ein auf dem Schlossberg gelegenes Schülerheim in die heutige Berufsschule umwandeln ließ, stieß man im Boden auf drei Scherbenhaufen verglühter Gefäße, die inzwischen der frühen und mittleren Bronzezeit zugeordnet werden. Weil bei der gleichen Gelegenheit auch Reste verbrannter Holzhütten, mit Fußböden aus gestampftem Lehm gefunden wurden, sowie durch Hitzeinwirkung geplatzte Feldsteine, geht man davon aus, dass die Landsberger Kanzel schon vor 1700 v. Chr. besiedelt war. Die frühe Bronzezeit stellt vor allem im Augsburger Raum eine Blütezeit innerhalb der vorgeschichtlichen Epoche dar, was zahlreiche Grabfunde bezeugen. Die Gräber dieser Zeit waren aufwändig und die Beigaben von hoher Qualität. Es hatte also Wohlstand geherrscht. Zahlreiche Schmuckstücke wie bronzene Zierscheiben und Spiraltutuli, Ösenringe und Blechkegel, Spiralarmreifen und Schmuck- und Haarnadeln wurden in den Frauengräbern von Göggingen und Lagerlechfeld gefunden. Auch Schwerter und Lanzenspitzen, Äxte und Dolche sowie Meißel, Punzen und Sicheln, die allesamt in Gräbern lagen können vor Ort in den Museen, so etwa im Römischen Museum Augsburg oder im archäologischen Museum Neu-Ulm, in Augenschein genommen werden. Abbildung 3: Bronzezeitliches Grab in der Nähe von Stonehenge in einem Gräberfeld, dem Toten in Hockstellung wurde hier ein Trinkgefäß mit ins Grab gegeben Der frühbronzezeitliche Friedhof von Kleinaitingen ist mit 34 Gräbern der bislang größte seiner Art in Bayerisch-Schwaben. Weil ein Großteil dieser Gräber jedoch schon bald nach ihrem Anlegen ausgeraubt und ausgeplündert wurde, nimmt man an, dass dies ein Zeichen jener Erschütterungen ist, denen zufolge im 16. Jahrhundert v. Chr. ein Wandel innerhalb der Bestattungssitte eintrat. Waren bisher unterirdische und "unsichtbare" Gräber eingerichtet worden, die man reichlich ausstattete, traten an deren Stelle mit der Zeit Grabhügel von fünf bis zehn Meter Durchmesser und einem halben bis ein Meter Höhe. In diesen Grabhügeln finden sich keine kostbaren Grabbeigaben mehr. Der Lichtmythos oder die Goldmagie sichtbar in den wertvollen Grabbeigaben wurde durch das Erhabenheitsmotiv des Hügelgrabes als Symbol im Sinne des Zeitüberdauernden abgelöst. Die bronzezeitliche Grabhügelkultur in unserer Nähe finden wir in Heinrichshofen und Egling, Beuren, Greifenberg und Haltenberg sowie Stoffersberg, Erpfting und Pössing und nicht zuletzt in Penzing. Weil die Hügel inzwischen allesamt von Bäumen bestanden sind und im Wald liegen, muss man davon ausgehen, dass zahllose andere Gräber dem Ackerbau zum Opfer gefallen sind. Insgesamt jedoch sind die Grabhügel die erstmals mit dem Beginn der Bronzezeit an den Lech gekommen sind, nicht sehr häufig. In der beginnenden älteren Eisenzeit bzw. Urnenfeldzeit verloren sie gegen 1200 v. Chr. ihre Bedeutung und wurden erst wieder in der Hallstattzeit 400 Jahre später als Begräbnisform interessant. Abbildung 4: Bronzefunde der jüngeren Bronzezeit um 1200 v. Chr. in Frankreich und Westdeutschland Abbildung 5: Waffen der Bronzezeit aus Europa, das untere Schwert, gefunden im heutigen Dänemark, wurde gereinigt, um seine ursprüngliche Farbe sichtbar zu machen Abbildung 6: Der Pokal und die beiden Becher, etwa zwischen 1500 und 1300 v. Chr. enstanden, sind typisch für die bronzezeitliche Kultur
Abbildung 7: Kultwagen von Acholshausen (Bayern) aus der Spätbronzezeit um 1000 v. Chr. Für die süddeutsche Bronzezeit gibt es keine bildliche Darstellungen oder Beschreibungen von Kleidung und Schmuck der Menschen. Unsere Kenntnisse stützen sich vorrangig auf Gräber, in denen die Toten in ihrer Tracht bestattet wurden. Dabei ist allerdings mit spezieller Totentracht zu rechnen. Textilien oder Lederkleidung sind über die Jahrtausende hinweg meistens vergangen; nur aus Metall oder Bernstein und Bein gefertigte Bestandteile blieben erhalten. Zudem wurden Gräber sehr häufig später wieder geöffnet und Beigaben entnommen. Aus diesen Gründen sind alle Rekonstruktionen, was die Lage und Funktion der metallenen Trachtbestandteile (wie Nadeln, Gewandbesatz, Amulett- und Schmuckketten), den Schnitt der Gewänder, das Material und selbst die Farben der Stoffe betrifft, mit Unsicherheiten behaftet. Auszugehen ist jedoch davon, dass sich damals schon die Menschen die Haare färbten, sich tätowierten, schminkten und bunt bestickte und gefärbte Kleidung trugen, was man als Besucher in Museen angesichts der meist stark verblassten oder patinierten bzw. korrodierten Objekte heute kaum glauben mag. Typische Bestandteile der zuweilen ausgesprochen reichen Frauentracht in Süddeutschland waren meist ein Paar Gewandnadeln, ring- und röhrchenförmiger Haar- oder Haubenschmuck, Halsschmuck aus Bronze und Bernstein- oder Glasperlen, Scheiben und kleine Blechhütchen (Tutuli) als Kleiderbesatz, Gürtel verschiedener Form sowie Arm-, Finger- und Fußringe. Männer trugen im Gegensatz zu Frauen nur eine Gewandnadel. Die rekonstruierte Tracht- und Schmuckausstattung einer Frau der Hügelgräberkultur in Niederbayern ist in der archäologischen Ausstellung "Bernsteinperlen & Bronzeschwerter" in Landshut zu sehen.
Abbildung 8: rekonstruierte Tracht- und Schmuck einer Frau der Hügelgräberkultur Die Dame trägt ein Kleid und ein Schultertuch. Beides wurde zwar nach in nordischen Baumsärgen erhaltenen Vorbildern rekonstruiert, doch ist davon auszugehen, dass auch hier ähnliche Kleidung getragen wurde. Ihr Haar schmückte die Dame mit spiralig gerollten Ringen ("Lockenringen"). Um den Hals trug sie eine Bernsteinkette. Das Schultertuch steckte sie mit zwei Radnadeln an dem mit Tutuli (Bronzeblechhütchen) besetzten Gewand fest. Die Radnadeln zeigen ein doppeltes Speichekreuz und besitze eine Öse zur Befestigung eines Fadens, mit dem die Nadel vor dem Herausrutschen aus dem Stoff gesichert wurde. Das Rad war vor allem Anschein nach kein bloßes Ziermotiv, sondern auch ein Zeichen mit Symbolgehalt aus der Vorstellungswelt von Sonnenrad und Sonnenwagen. Gerippte Armringe zierten ihre Handgelenke. Fingerringe vervollständigten das Tracht- und Schmuckensemble. Die metallenen Trachtbestandteile sind aus Grabhügeln von Ihrlerstein, dem Hienheimer Forst und Pörndorf zusammengestellt und stellen eine ideale Rekonstruktion nach überlieferten Funden dar. Quellen:Rupert Zettl, lechauf lechab Wissenswertes Liebenswertes, Wißner Verlag
Augsburg , 2002
3. Teil: EisenzeitDas letzte vorchristliche Jahrtausend entspricht der Eisenzeit, wobei hier als wichtigste Phasen die Hallstattzeit , oder Hallstattkultur von 800 –500 v. Chr. und die Latènezeit ,oder Latènekultur von 500 v. Chr. bis zur Zeitenwende unterschieden wird. In der Übergangsphase von der Bronzezeit zur Eisenzeit spricht man, vor dem Hintergrund der Bestattungsform, von der Urnenfelderzeit von 13. – 8. Jahrhundert v. Chr.. Die Latènekultur ist die Kultur der Kelten, die sich im letzten vorchristlichen Jahrtausend von ihrem Ursprungsgebiet im nördlichen Alpenrandgebiet über weite Teile West- und Südeuropas ausbreiteten. Nach Norden wurde ihre Expansion dagegen von den hier siedelnden Germanen verhindert. Mit dem Eisen stand dem Menschen ein wesentlich härterer Werkstoff zur Verfügung als Bronze, die gleichwohl weiter zur Herstellung handwerklicher und künstlerischer Gegenstände genutzt wurde. Etwa 1200 v. Chr. lagen die Zentren der Eisengewinnung im Hethiterreich in Ostanatolien in der heutigen Türkei. Die Kenntnis der Eisenverarbeitung verbreitete sich nach 1000 v. Chr. aus dem ägäischen Raum und die Balkanhalbinsel nach Mittel- und Westeuropa.
Abbildung 1: Eisenverhüttunganlage, Kuppelofen mit aufgesetztem Schacht und Schlackenabstichsloch sowie Eisenschlacken aus der Eisenzeit (Ausgrabungen in Neuenbürg, Baden Württemberg) Der größte Vorteil, den das Eisen gegenüber der Bronze hat, ist dass die Erze aus denen es gewonnen wird, weit verbreitet und leicht verfügbar sind. Eisen erfordert keine Legierungsverfahren und ist ein geeignetes Material zur Herstellung von stabilen Werkzeugen wie Sägen, Äxten, Hacken und Nägeln. Eisen war allerdings schwer zu verarbeiten und in vorgeschichtlicher Zeit konnte man in Europa keine ausreichend hohen Temperaturen erzeugen, um es flüssig zu schmelzen, so dass man es in Formen hätte gießen können. Stattdessen wurde das Erz einfach in einem Schmelzofen so weich wie möglich geschmolzen. Die Eisenteile wurden aus der Schlacke genommen, nochmals erhitzt um Klumpen zu bilden und dann in die gewünschte Form gehämmert.
Abbildung 2: Eisenschwert mit Antennenknauf Fundort Möhrendorf (Landkreis Erlangen-Höchstädt, Eisenwerkzeuge Fundort Staffelberg, Schmuck (Federseemuseum) Eisen wurde vor allem für schwere Werkzeuge und Waffen verwendet, während Bronze jetzt meist zur Verzierung persönlicher Gegenstände, wie Nadel oder Spiegel, oder zu Kesseln und Beschlägen verarbeitet wurde. Daneben wurde noch aus Gold und Silber weiterhin Schmuck hergestellt. Ebenfalls weiterentwickelt wurde die Salzgewinnung, die einen ersten Höhepunkt in der Hallstattphase erfuhr. Nachdem schon in der Bronzezeit mit der Salzsiederei begonnen worden war, wurde in der Eisenzeit das Salz zusätzlich durch Salzbergbau gewonnen und spielte als Handelsprodukt eine wichtige Rolle. Salz wurde für die Vorratshaltung benötigt um Lebensmittel insbesondere Fleisch haltbar zu machen. Neu waren u.a. der Einsatz von Graphit als Färbemittel und um Ton feuerfester zu machen sowie im geringen Umfang die Glasherstellung. Hervorzuheben ist die Lederverarbeitung, für die Kelten weithin bekannt waren. Der Handel wurde von den Kelten über große Distanzen organisiert, wobei die Handelswege ganz Europa überzogen. Eine der wichtigsten Handelswege der Eisenzeit stellte der Rhein-Rhonegraben dar, über den die Verbindung zum Mittelmeer hergestellt wurde. Neben Handwerk und Handel als wesentliche wirtschaftliche Grundlagen der Kelten spielte auch die Intensivierung der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Im Getreidebau traten zu Weizen und Gerste nunmehr Roggen und Hafer hinzu. Auch Hülsenfrüchte wurden vermehrt angebaut. Nachweislich erfolgte seit der Hallstattphase eine züchterische Einwirkung auf Rind und Pferd. Über Handelsverbindungen werden neue Geflügel- und Schafrassen verbreitet. Diese Vielfalt der wirtschaftlichen Struktur, die einhergeht mit einer bereits sehr differenzierten und hierarchisierten Gesellschaftsstruktur, findet auch ihren Niederschlag im Siedlungswesen der Kelten, auch wenn diesbezüglich nicht von einer Einheitlichkeit die Rede sein kann. Gleichwohl stehen Hausbau und Siedlungstypen verbreitet in der nordalpinen Tradition. Unter den Wohngebäuden überwiegen langgestreckte ein- und zweischiffige Pfosten oder Ständerbauten mit Lehm-Holz-Geflechtwänden und mit Firstsäulen- oder Sparrendachkonstruktion. Stall- und Wirtschaftsgebäude werden meist getrennt vom Wohnhaus angelegt. Verbreitet finden sich die mit Mauer und Graben befestigten Siedlungen in natürliche geschützter Höhenlage. In offenen Landschaften waren die Siedlungen, hier oft Mehrgehöftgruppen oder Einzelhofanlagen, durch Palisaden geschützt.
Abbildung 3: rekonstruiertes Keltenhaus, Buchau, Federseemuseum Abbildung 4: Kleidung in der Eisenzeit, in diesem Stich aus dem 19 Jh. hat der Illustrator alles zusammengetragen was über die Kleidung bekannt war Die Entstehung einer sehr differenzierten, arbeitsteiligen Gesellschaft bewirkte auch die Anlage erster nichtagrarischer Siedlungen. Während der Hallstattphase entstanden die ersten Burgen die zunächst eher den Charakter von Volks- oder Fluchtburgen hatten und auch nicht als Dauerburgen eingerichtet waren. In der Latènezeit finden sich dann die ersten Herrenburgen als permanente Fürstensitze, dies oft in Verbindung mit befestigten Großsiedlungen, die ab dem 2. Vorchristlichen Jahrhundert nach mediterranem Vorbild erstmals in Europa nördlich der Alpen entstanden. Cäsar hat dies Orte als Oppida (sing. Oppidum) bezeichnet, bei denen es sich um Produktions-, Verwaltungs-, Handels- und Kultzentren handelte. Ihre überregionale Zentralfunktion spiegelt sich auch darin wider, dass für viele dieser Oppida eigene Münzprägungen nachgewiesen wurden. Besonders reich war auch die Kunst der Kelten, was u.a. anhand von Grabbeigaben vielfach dokumentiert werden konnte. Urnenfelderzeit oder ältere EisenzeitWarum wird die ältere Eisenzeit zwischen 1300 bis 800 v. Chr. als Urnenfelderzeit bezeichnet? In dieser Zeit finden wir ein gänzlich unterschiedliches Bestattungsritual im Vergleich zur vorangegangenen Bronzezeit. Die Leichen der Verstorbenen wurden verbrannt, deren Asche in Tonkrügen geborgen und in Erdgräben, die friedhofartig beieinander lagen, beigesetzt. Ein erhebliches Bevölkerungswachstum könnte die Menschen dazu veranlasst haben.
Abbildung 5: Ausgrabungen aus der Urnenfelderzeit in Wehrheim (Taunus), Grab V dreiviertel freigelegt, geöffnete Urne mit Beigabengefäß und die restaurierten Gefäße Ausgehend von unserem einheimischen christlichen Verständnis eines Begräbnisses muss man sich klar machen, was der Wechsel von der Erdbestattung zur Feuerbestattung für die damaligen Menschen bedeutet haben muss. Der Verzicht auf einen augenscheinlichen Erhalt der menschlichen Gestalt hat zur Folge dass das Bewußtsein mit einem abstrakteren Seelenbegriff, der das Immaterielle zur Grundlage hat, auskommen musste. Daraus wurde als Kompensation die konkrete Gestaltung von Götterfiguren hervorgerufen. Wir wissen nur wenig über die Religiosität der damaligen Menschen. Vielleicht liegen die beiden Momente nebeneinander, in der naiven volkshaften Ebene mit der Gestaltung von Götterfiguren und in der intellektuellen Ebene dagegen ein Kosmos des geistigen Abstrakten und Grenzenlosen. Ganz im Sinne einer Theologie wurden dabei die Schwerter, die man mit den Urnen in die Erde gab, vorher zerbrochen. Die vorindogermanischen Urnenfelderkultur breitete sich über ganz Europa aus und ist die Vorläuferin des nachfolgenden indogermanischen Keltentums. Wie unsere Vorfahren mit den Göttern der Unterwelt in Kommunikation traten, zeigen auch gefundene rituelle Schächte aus der Urnenfelderzeit, die zwei bis drei Meter tief und bisweilen mit Kesseln voller goldener und silberner Gegenstände gefüllt waren. Das Land am Lech hat uns aus der Urnenfelderzeit bisher leider nicht viele Funde beschert. In der Umgebung des Stoffersberges, bei Pitzling, Pössing und in Penzing sind wenige Dinge zutage gekommen. Es handelt sich um Schilde, Schwerter, Messer, allerlei Schmuck und weiterentwickelte Keramik. Auch im Augsburger Raum sind die Fundstellen aus der Urnenfelderzeit rarer gestreut als die Bronzezeitlichen. Oberhausen, Göggingen, Inningen und Bobingen sind die betreffenden Ortsnamen, aber auch Haunstetten und Untermeitingen, wo etliches gefunden wurde. Aus der Urnenfelderzeit sind neben den Aschengefäßen und Waffen auch andere Zeugnisse gefunden worden wie etwa umfangreiche Geschirrsätze, die sich durch eine sehr sorgfältige Machart auszeichnen; d.h. durch sehr gründlich aufbereitete Tone und glänzend polierte Oberflächen. Vermutlich wurden die Gefäße auch schon auf einer drehbaren Unterlage gearbeitet, einer Vorform der Töpferscheibe, die einige Jahrhunderte später aus dem Mittelmeerraum importiert wurde.
Abbildung 6: Urnenfelder Grabung bei Haunstetten nahe Augsburg, Urne Fundort Rudelzhausen-Niederhinzing (Landkreis Freising); Höhe 50 cm, Waffen und Schmuck des Kriegeradels (Museum Gunzenhausen) Hallstattzeit (erste keltische Phase)Als erste Phase der europäischen Eisenzeitkultur von 800 – 500 v. Chr. gilt die nach ihrem österreichischem Fundort benannte Hallstattkultur. Die außerordentlich reiche Fundstätte oberhalb des steilen Westufers des Hallstätter Sees im Salzburgischen gab dieser Epoche den Namen. Im Jahr 1864 hatte ein Bergwerkinspektor ein abbauwürdiges Kieslager gesucht und dabei oberhalb der Ortschaft Hallstatt zwei Skelette, ein bronzenes Schmuckband und ein Urne entdeckt. Weil er der Sache gewissenhaft nachging und sogar kaiserliche Unterstützung erhielt, konnte er in einem der darauffolgenden Sommer immerhin 58 Gräber öffnen. Inzwischen sind 2500 Gräber mit reichen Beigaben gefunden worden. Es handelte sich um Nadeln, Broschen, Gürtel, Halsbänder, Ohrgehänge, Dolche, Speerspitzen, Beile, bronzene Kessel, irdene Vasen, Schalen und Schüsseln usw.. Alles zusammen repräsentiert eine in sich homogene europäische Kultur, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts völlig unbekannt war.
Abbildung 7: Grabbeigaben aus dem Grab des Keltenfürsten in Eberdingen-Hochdorf (Baden-Württemberg) aus der Hallstattzeit, obere Reihe von links: Goldschüssel (Durchmesser 13,4 cm; 72 g), Trinkhorn, Halsring (Durchmesser 25,3 cm; 144 g, Gold), Bronzepferdchen vom Satteljoch, untere Reihe von links: Antennendolch mit Bronzegriff und –scheide mit goldenem Überzug, Länge 42 cm, Schuhe mit Goldblech, goldenes Gürtelblech Länge 33 cm , Breite 8,5 cm; 130 g, der Löwenkessel Abbildung 8: Tongefäße als Grabbeigaben aus der Hallstattzeit, Fundort Hohenkammer-Pelka (Landkreis Freising); Höhe des linken Gefäßes 11 cm Abbildung 9: Prunkschale (Durchmesser 36.7 cm) mit typisch geometrischem Muster der Hallstattzeit, Fundort Dietldorf Oberpfalz Der Reichtum stammte vom Salzhandel. Salz wurde nachweislich bereits in der Jungsteinzeit in dieser Region aus Solequellen gewonnen. In der Bronzezeit ist dann die Salzgewinnung in Saline aufgekommen, Salzpfannen in denen man die Sole kochte. Um 800 v. Chr. wurde dann bereits Salzbergbau betrieben. Mit bronzenen Pickeln ausgerüstet sind die Bergleute auf gekerbten Baumstämmen in die Tiefe gestiegen. 1734 fand man im Salzberg eine Mumie, die später als "der Mann im Salz" berühmt werden sollte. Mit dem Salz konnte man Fleisch und andere Lebensmittel konservieren. Damit war eine ganz neue Dimension der Vorratswirtschaft möglich. Die Funde von Hallstatt erwiesen sich als eindeutig keltisch. Wer waren die Kelten und woher kamen sie? Woher die Kelten ursprünglich kamen ist bis heute nicht schlüssig geklärt. Wahrscheinlich entstanden sie durch kulturelle Evolution aus Stämmen der Urnefelderzeit. Im 8.Jahrhundert bevölkerten sie zunächst die Gebiete am Oberrhein und der oberen Donau. Ab dem 3. Jahrundert setzt aufgrund der zunehmenden Bevölkerungsdichte in den ursprünglichen Keltenterritorien eine vermehrte Wanderbewegung ganzer Keltenstämme ein. Sie besetzten, zum Teil kriegerisch, Mittel- und Südeuropa von der iberische Halbinsel (Kelt-Iberer) über Frankreich (Gallier) die britischen Inseln (Wales, Schottland, Irland), das nördliche Alpen- und Voralpenland, zum Teil auch Italien (Etrusker) und drangen der Donau abwärts (Thraker) bis in die heutige Türkei vor (Galater, aus den gleichnamigen Briefen in der Bibel bekannt. Städtegründungen wie Paris, Turin, Budapest und Ankara gehen auf ihr Konto. Abbildung 10: Ausbreitung der Kelten in Europa Ersten historische Landkarten der Griechen von Erastosthenes um 250 v. Chr. auf der die Kelten auftauchen zeigen, dass das Land am Lech im Mittelpunkt der von den Kelten eingenommenen Großzone liegt. Als im letzten Jahrhundert v. Chr. dann von Norden her die gefürchteten germanische Stämme der Kimbern und Teutonen, und von Süden her die Römer sie zunehmend bedrängten, geht die Hoch-Zeit der Kelten langsam zu Ende. Nach der Unterwerfung Galliens durch Caesar dauerte es gerade noch drei Generationen, bis die Römer alle keltische Siedlungen bis zur Donau eingenommen hatten. Die Kelten waren ein schreibfaules Volk. Anders als bei Völkern, die der Nachwelt schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen haben, sind die Archäologen und Historiker bei den Kelten auf die Deutung der Ausgrabungen und die Überlieferungen fremder historischer Quellen angewiesen. Die "Schreibfaulheit" der Kelten hatte einen kultischen Hintergrund und trug möglicherweise auch zu ihrem unrühmliche Untergang bei. Ohne schriftliche Aufzeichnungen und Anweisungen ist schwer eine nachvollziehbare Staatsstruktur zu erhalten. Die Kelten waren nicht im eigentlichen Sinne als Volk organisiert. Es waren vielmehr unterschiedliche Stämme, deren einzige übergreifende Gemeinsamkeit, die sie von der umliegenden Kultur unterschied, war ihre Sprache. Zwar jetzt nicht mehr gleichlautend, aber doch ähnlich kehlig klingende Alt-Sprachen, wie das Bretonische in der französischen Bretagne, das Kymrische in Wales oder das Gälische in Schottland erinnern bis heute noch daran. Auch die Bewohner unserer Gegend ab der Hallstattzeit waren Kelten. Mit der Hallstattzeit kam das Hügelgrab wieder. Die Toten wurden jetzt wieder in einem Erdhügel bestattet, aber man häufte jetzt weit größere Hügel auf, und auch deren Ausstattung wurde reicher. Die zahlreichen Hügelgräber unserer Gegend, wie in Schwabstadl, Kaufering, Pürgen, Stoffen, Ipfling, Lengenfeld und in unserer Gemeinde werden auch als Kelten- oder Hünengräber bezeichnet. In unserer Gemeinde südwestlich von Ludenhausen nahe der Verbindungsstrasse Reichling–Pessenhausen auf der Eichwiese liegt im freien Gelände eine Grabhügelgruppe der Hallstattzeit von 27 Hügeln. Die von weiten schon erkennbaren Hügel sind auf ihrer Kuppe mit Eichen bewachsen. Wegen ihres guten Erhaltungszustandes zählen sie zu den eindrucksvollsten Flurdenkmälern der Vorgeschichte in unserem Gebiet. Abbildung 11: Keltengräber auf der Eichwiese bei Reichling 2003 Wenn man in Betracht zieht, dass das aufgelockerte zum zusammengesickerten Erdreich dieser Grabhügel , welche 6 - 8 m im Quadrat und 1.6 - 1.8 m in der Höhe messen , sich wie 8 : 5 verhält , so ergibt sich dafür zur Zeit ihre Entstehung eine Höhe von circa 3 m. Der Bau eines Grabhügel erforderte sicher die wochenlange Arbeit vieler Hände und war vielleicht Angelegenheit einer ganzen Sippe, zumal das dazu benutzte Erdreich nicht aus der Nähe des Grabes stammte, sondern oft sehr weit hergebracht wurde. Dafür darf wohl, angenommen werden, dass nur höherstehenden Stammesgenossen besondere Grabhügel errichtet wurden. Die Erforschung derselben mit dem Spaten hat ergeben, dass nicht alle in der gleichen Zeitperiode entstanden sind, sondern daß verschiedene Völker in mehreren Zeitabschnitten an ihrer Errichtung beteiligt waren. Abbildung 12: Rekonstruktion einer hölzernen Grabkammer in einem Hügelgrab der Hallstattzeit Auch sind von späteren Geschlechtern noch Nachbestattungen vorgenommen worden .Die Leiche wurde gewöhnlich auf ebenen Boden gebettet , manchmal auch etwas vertieft , dann mit einem Holzsarg eingemacht und darüber eine Steinpackung gelegt und dies wieder abwechslungsweise mit einer Schicht Erde und Stein zugedeckt , bis das Grab zum Denkmal für ewige Zeiten anwuchs . Die Öffnung eines Grabhügels bei Pürgen im Jahre 1911 durch das Landesamt für Denkmalspflege brachte ein Skelett mit einer sehr schönen Bronzeschüssel zum Vorschein , welch Letztere sehr wichtige Rückschlüsse auf das Leben dieser Leute ermöglicht . Nach wissenschaftlichen Feststellungen entstammt diese nämlich eine griechischen Werkstätte und wurde um das Jahr 700 v. Chr. gefertigt. Ein Beispiel ist auch das Hügelgrab von Wehringen ca. 15 km südlich von Augsburg, das ca. 30 m im Durchmesser hatte und mehr als 1.1 Meter Höhe, die es noch 1961 besaß als man es öffnete und untersuchte. Die Archäologen stießen damals auf die Resten einer hölzernen Grabkammer (5,2 x 4,5 Meter) die neben Leichenbrand Teile eines vierrädrigen Wagens mit Bronzenaben enthielt, ein Bronzeschwert, eine kleine Goldschale und Scherben von 21 Tongefäßen, in denen man dem Verstorbenen eine Wegzehrung mitgegeben hatte. Die Relikte und eine Rekonstruktion der Grabkammer kann man im Römischen Museum Augsburg bestaunen.
Abbildung 13: rekonstruierter vierrädriger Wagen aus einem Hügelgrab in Wehringen Einer der großen Grabhügel der Hallstattzeit, der eines Keltenfürsten, befindet sich in Eberdingen-Hochdorf (Baden-Württemberg). Es hat eine Höhe von 6 Meter und einen Durchmesser von 60 Meter. Der Grabhügel besteht aus 7000 m3 Erde und 280 t Steine.
Abbildung 14: Grabhügel des Keltenfürsten aus der Hallstattzeit, Eberdingen-Hochdorf (Baden-Württemberg), Durchmesser 60 m, Höhe 6 m Die meisten Spuren aus der Hallstattzeit in unserer Gegend sind im Raum Augsburg zu finden, das sich aus der handelsstrategisch günstigen Lage erklären lässt. In den Gebieten Landsberg, Füssen und Schongau sind im Vergleich dazu eher spärliche Spuren aus der Hallstattzeit zu finden. Es ist anzunehmen, dass die Kelten erst mit der Zeit in diese Räume vordrangen und sich mit der bereits damals einheimischen (rätischen) Bevölkerung vermischten. Es war ein langsames Vordringen der Kelten, also keine großen kriegerisch geführten Schübe. Latène-Zeit (zweite keltische Phase)Die zweite Phase der Eisen- oder Keltenzeit 500 - 15 v. Chr. wird nach einem ergiebigen Fundort am Neuenburger See in der Westschweiz Latène-Zeit genannt. Diese Zeit wird u.a. durch einen gänzlich veränderten Zierstil charakterisiert. Im 4. Jahrhundert wandelte sich die Bestattungsweise erneut. Die Verstorbenen wurden jetzt in einfachen Erdgräben beigesetzt. Weil sich aber die Orientierung der Toten änderte, muss ein nicht unbedeutender Wandel auch in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht miteinhergegangen sein. Die Grabbeigaben wurden reduziert. Die Luxusbestattungen waren jedenfalls zunächst einmal vorbei. Es war eine Epoche der Unruhen, des wirtschaftlichen Niedergangs und der großen Wanderungen. Die Kelten der Latènezeit sind bei uns nachweisbar durch die Viereckschanzen. Die sog. Keltenschanzen von denen über es 150 in Bayern gibt waren heilige Orte wo die Kelten ihren Göttern Opfer darbrachten, vielleicht auch Markt- und Stapelplatz, aber keine Militäranlagen die der Verteidigung dienten. Die Keltenschanze am westlichen Rand von Reichlingsried angelegt ca. 100 v. Chr. ist ebenso unerforscht wie andere Keltenschanzen am Lech (Entraching, Achselschwang, Leeder) entlang. Die Ergebnisse der Ausgrabungen an einer Anlage bei Ottmaring Friedberg lassen sich aber ohne weiteres auf jene von Reichlingsried übertragen. Die wallartigen Umfriedungen in der Regel quadratisch mit Maßen von 60 Meter x 60 Meter und größer, waren meist im Osten durch ein Tor zugänglich, im Norden lagen die Kultschächte. Diese über 30 Meter tiefen Opferschächte, in denen auch ein Holzpfahl eingebracht wurde, waren ein Art Altar, auf denen man tierische Blutopfer darbrachte um mit den Göttern der Unterwelt in Verbindung zu treten.
Abbildung 15: Reste der Viereckschanze der Kelten am westlichen Ortsrand von Reichlingsried
Abbildung 16: Rekonstruktion einer Viereckschanze der Kelten Wohl sicher ist , dass in der späten Latène-Zeit bei Landsberg Eisenverhüttung betrieben wurde. Im Jahr 1958 stieß man nördlich von Sandau in den Grenzen einer Urzeit-Siedlung auf Eisenschlacken, und später in der Nähe des Gutes Haltenberg (Kaufering) auf vorzeitliche Eisengruben. Es handelt sich um ein Trichterfeld von ca. 160 x 20 Meter Ausdehenung. Die Trichter haben einen Durchmesser von drei bis 7 Meter mit einer Tiefe bis zu zwei Meter. Die Kelten kannten die Arbeitsteilung, trieben Handel mit fremden Völkern, hatten bereits Geld und ihre große handwerkliche Begabung zeigt sich in vielen Gebrauchs- und Schmuckgegenständen.Die Kelten vollzogen ab 550 v.Chr. den Übergang vom einfachen Tauschhandel zum indirekten Tausch mit Geld und steigerten die Handelsmöglichkeiten dadurch um ein Vielfaches. Zunächst wurden hierzu von Griechenland eingeführte Goldmünzen verwendet. Die Kelten stellten später eigene Zahlungsmittel aus Gold her, die sogenannten "Regenbogenschüsselchen" – so benannt nach ihrer gewölbten Form oder auch dem Volksglauben, dass am Fuße des Regenbogens solche Goldstücke lägen. Das hierfür benötigte Gold wuschen sie aus den Flüssen des Voralpengebiets.
Abbildung 17: keltische Goldmünzen sogenannte Regenbogenschüsselchen ; Goldschatz von Großbissendorf (Oberpfalz), keltischer Schmuck und keltische Steinstatue Am Ende dieser Epoche bauten die Kelten wohl befestigte Stadtanlagen. Bei Manching ist die bekannteste ausgegraben worden. Dieses "Oppidum" war die Hauptstadt der Vindiliker. Am Lech (licca = rasch fließend) wohnte der Stamm der Likatier. Auch von ihnen ist der Name der Hauptstadt überliefert: Damasia. Sie muß auf einem Berg gelegen sein, lange Zeit wurde sie auf dem Auerberg (1056 Meter) vermutet. Neben den Likatiern gehörten zum Volk der Vindiliker noch die Consuaneten, Rukinaten, und Catenaten. Wo diese Stämme im einzelnen ihre Heimat hatten, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Quellen:Chronik der Gemeinde Ludenhausen, Anton Wiedemann, 1937
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